nasenloch

Das Grösste Nasenloch liegt am Ende einer Strasse, etwas versteckt - und es ist ein typischer Kraftort. Echte Naturwunder sind seltene Orte der Besinnung, an denen sich keine kamarabehängten, rotgesichtigen und schwitzenden Touristen drängen. Das Nasenloch des Teufels muss man sich erfragen - einen Wegbeschrieb gibt es nicht. Für nicht Spanisch sprechende Zeitgenossen liegt es somit außerhalb des Spielfeldes. Außerdem "funktioniert" es nicht immer gleich und ist somit kein Garant für aaah's und ooh's. Wenn aber die See mitspielt, ist es ein sehr beeindruckendes Naturwunder - eines, das uns das Fürchten lehrt und jedem klarmacht, wie klein und schwach wir doch gegen die Naturgewalten sind.

Die wilde, urzeitliche Landschaft, in der man das größte Nasenloch findet, tut seinen Teil dazu, dass man staunt und sich den Hals verrenkt. Turmhohe Felsen, steil abfallende Wände und Bergüberhänge zur Linken und die tosende Steilküste geben einem das Gefühl, sich in einer anderen Welt zu befinden. Haushohe Monolithen liegen überall und sind zum Teil von sich darauf festkrallenden Tropenbäumen überwuchert. Der Weg dorthin ist am Anfang eine asphaltierte, schmale Strasse, gesäumt von undurchdringlichen, bis zu vier Meter hohen Kaktushecken und geht dann über in eine wilde Piste mit knietiefen Löchern, bei denen man gut darauf achten muss, wo man fährt.

Auch hier in dieser entlegenen Gegend wohnen Menschen und auch hier trifft man die jubelnden Kinder, die einem zuwinken und sich über eine Orange oder ein Limonchello noch freuen. Es gibt ein paar abgeschirmte Fincas am Anfang der Seitenstrasse, die hinter hohen Hecken und Mauern, gesäumt von flammroten Flamboyanbäumen nur für geladene Gäste und ihre Bewohner zugänglich sind.

Ein amerikanischer Verleger soll hier sein Domizil haben und wer weiter hinten in dem silbernen Camper wohnt, weiß ich nicht. Es muss aber ein Individualist sein, denn wer wohnt sonst so weitab von allem normalen und urbanen Leben. Paradiesisch kann man diese Gegend durchaus bezeichnen - ursprünglich passt aber noch besser. Nach einigen Kilometern Weg sieht man riesige Steinquader herumliegen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, das es Mamor - Quader sind. Früher wurde hier aus dem Fels feinster Marmor geschnitten - heute zeugen nur noch ein paar verrostete Winden und allerlei verrottetes Gerät von dieser Zeit. Mit "der Weg ist das Ziel...." könnte man diese Tour bezeichnen, genau wie der Weg durch El Valle, nur das es hier so gar nicht lieblich oder üppig, satt oder grün ist. Man merkt schnell, das hier nicht viel Regen fällt - überall sieht man riesige Agaven und Säulenkakteen, zum Teil an solch irrwitzigen Orten, das man an der Schwerkraft zweifelt. Auf den Felsen wachsen eigenartige Palmen, wie man sie sonst nirgends sieht. Es ist die afrikanische Palme und wie sie hierher kommt, wissen die Götter.

Tausende von wilden Nonibäumen säumen die wilde Piste. Mehr Info zur sagenumwobenen Nonifrucht finden sie unter samananoni. Am Ziel oder dem Ende des Weges angelangt stolpert man über die wildzerklüfteten Klippen und staunt nicht schlecht, wenn man einen Blick über den Rand wagt. Die Brandung donnert in die Felsen und ein feiner Gischtnebel erzeugt einen zarten Regenbogen. Zwischen 10 und 30 Metern hoch sind die Klippen aus schwarzem Lava - Gestein und wer hier runterfällt, wird man wohl nicht wieder sehen. Das Wasser ist dunkelblau bis zu einem irisierenden Türkis, glasklar und sehr, sehr laut. Das ist keine brave Küstenlinie - hier tobt die Brandung und beeindruckt uns Menschen so noch viel mehr. In der Waalsaison kann man hier, wenn man Glück hat, die Riesensäuger beobachten - die hohen Klippen sind gute Aussichtsplattformen.

Das Nasenloch selber ist eine unterirdische Spalte im Fels - gut 80 - 100 Meter von der Steilküste entfernt, welche direkt bis ins Meer geht. Durch die Gezeiten wird so Wasser und Luft in die Höhle gedrückt und wieder herausgesaugt. Dadurch entstehen unheimliche Geräusche. Das Loch säuselt oder röhrt, manchmal ist es ein dumpfes Grollen, das sich zu einem urzeitlichen Brüllen steigert, welches einem durch Mark und Bein geht. Bei hohem Wellengang schießt daraufhin in regelmäßigen Abständen eine meterhohe Gischtfontäne aus dem Nasenloch, deren Druck einen erwachsenen Menschen meterweit durch die Luft wirbeln kann. Wir haben es mit einem schweren Palmen - Ast ausprobiert und ihn kurz vor dem "ausatmen" in den Schlund geworfen. Er flog hoch in die Luft und wurde kurz darauf von dem gewaltigen Sog wieder in das Loch gezogen, wo er für immer verschwand. Dazu braucht man nicht viel mehr erklären und alleine anhand dieses Beispieles kann man sich bildhaft vorstellen welche Kräfte dort wirken, wenn das Meer wild und aufgewühlt ist. Man sollte nicht zunahe an das Loch treten, denn der Stein rundherum ist immer nass und glitschig. Ein Ausrutscher könnte fatalste Folgen haben.