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Ein
zauberhafter Ort oder verzauberter Ort, so eine art karibische *Rosenlaui",
was ich weiß und die Anderen nicht. Ich fahre den Jeep zu
Anfang über die Straße von Las Terrenas Richtung El Portillo,
dann über die ausgebaute neue Strasse nach Samana. Alleine
diese Fahrt ist eine Offenbarung. Die pralle Fülle der Tropen,
das Lachen der Menschen am Straßenrand, das offene Dach, der
brausende Wind - man ist glücklich.
*die Rosenlaui ist eine abgelegene Busstation hoch in den Bergen
im Rosenlauital bei Meiringen im Berner Oberland, Schweiz.
Dann Samana, der brodelnde Markt, die mir so gewohnten Düfte
und Aromen, die Fülle, die Pracht. Da sind die keifenden Marktweiber
und die Fischschlachter, die Hausfrauen und die Hingucker - der
Verkehr brüllt um einem herum und alles ist so richtig, so
echt, keine Supermarkt Atmosphäre, keine Rücksicht, wer
durch muss, bricht durch. Ich suche Limonchellos, Früchte -
dominikanische Lichies. Sie sind ganz wunderbar, so süßsauer
- es macht einen Riesenspaß während der Fahrt über
die Buckelpisten die Schalen mit den Zähnen zu knacken und
die Kerne im hohen Bogen aus dem dahin kriechenden Auto zu spucken.
Kurz
nach Samana beginnt das echte Abenteuer. Es beginnt eine neue, andere
Welt, eine andere Zeit, das echte Samana - mein karibischer Traum.
Die Straße fehlt; stattdessen hüpft man über eine
Ansammlung von Wackersteinen, die etwas wie einen Belag bilden,
der aber ständig die Konsistenz ändert. Es ist kein Fahren
- es ist sich mit einem Fahrzeug fort zu bewegen. Rings herum ist
es grün in allen Nuancen und man glaubt sich in Zeitlupe zu
bewegen. Die Menschen sind wieder anders - die Kinder hüpfen
schreiend und zum teil splitternackt aus dem Busch winken und jubeln
- sie wollen nichts, es ist für sie nur toll so einen knallroten
Jeep mit vier Gringos zu sehen. Sie freuen sich ganz einfach...
das muss man so stehen lassen. Auch die Erwachsenen winken einem
zu und schenken einem ein Lächeln. Man hält an, fragt
wohin dieser Camino links abgeht, man bekommt eine Banane geschenkt
und gibt ein Limonchello. Es geht auf und nieder und der Weg kennt
keine Gnade. Vorbei an Bambuswäldern, leuchtend roten Flamboyan-
Bäumen, fetten Mangos, Bananen aller Art und Kalebassenbäumen
mit ihren irren Früchten - riesigen, prallen Kugeln, bei deren
Anblick man sich fragt, wie denn das mit der Schwerkraft funktioniert.
Ältere Frauen kommen einem entgegen, richtig schwere Mamis
mit bunten Sonnenschirmen und dem Gesangbuch unter dem Arm. Man
kann gar nicht so schnell schauen, soviel gibt es zu sehen - es
herrscht permanente Reizüberflutung.
Auf
einmal will die Strasse gnadenlos bergab, unter den rädern
Schotter und plötzlich steht man da und nichts geht mehr. Zwei
Pickups blockieren den Weg - der eine kommt den sehr steilen Abhang
nicht hoch, die Räder drehen durch und Steine fliegen - der
andere steht mitten im Fluss, auf der Ladefläche acht Leute
- Frauen, Männer die den anderen Fahrer wild anfeuern und ein
etwas konfuser eigener Fahrer. Das Wasser rauscht am Auto vorbei
und bildet kleine Bugwellen wie bei einem Schiff. Völlig unwirklich
scheint einem das ganze, während einem der Schweiß nur
so herunter läuft, denn es ist brütend heiß. Der
eine Pickup rutscht ab und rollt resigniert rückwärts
in den Fluss; der Motor säuft ab - nichts geht mehr. Die Mamis
vom anderen Fahrzeug wollen nicht absteigen, denn dann bekommen
sie nasse Füße. Motorhauben gehen auf und Männer
beugen sich über die Maschinen. Der Motor wird überbrückt
und es dauert - dann ein jubeln, die Maschine läuft. Der Pickup
setzt im Fluss zurück - das geht - und nimmt nun Anlauf. Er
prescht vor, links und rechts stiebt das Wasser in Fontänen
auf und er bekommt das steile Geröll unter die Räder.
Er
orgelt sich nun den steilen Hang hinauf, das Heck tänzelt dabei
und die Steine spritzen um uns herum. Er kommt an uns vorbei und
keucht sich den restlichen Berg hinauf. Auch wir brüllen begeistert
und klatschen in die Hände - tropical. Beherzte Männer
greifen nun beim zweiten Pickup mit an und er wird durch den Fluss
geschoben. Auf der anderen Seite ein Versuch und der Wagen springt
an. Es geht unter dem Applaus der Fahrgäste weiter.
Auch ich rolle nun den restlichen Hang runter und fahre mit Schwung
durch den Fluss. Es spritzt und brodelt und wir kommen sicher auf
der anderen Seite an. Weiter geht es durch diese urige Landschaft
- es folgt eine zweite Flussdurchquerung. Und immer vorbei an fröhlichen
Menschen. Auf einer Terrasse links von uns haben sich etwa 12 Frauen
versammelt und singen gemeinsam eine Art spanischen Gospel - sie
tun dies aus vollem Herzen und ihre Gesichter strahlen dabei vor
Zufriedenheit und glänzen, denn das Singen strengt sie an.
Es
geht vorbei an einem properen Gebäude, welches das Hospital
dieses Tals ist. Ein Stück weiter die Zwergschule mit einem
Klassenzimmern und verwaisten Stühlchen, es sind Sommerferien.
Männer auf Pferden und Maultieren kommen uns entgegen und winken
fröhlich oder wedeln mit dem Hut.
Wir überqueren eine kleine Brücke und dann plötzlich
liegt sie vor uns - die Bucht von El Valle. Links und rechts begrenzt
von steil aufragenden Bergrücken, begrüßt uns ein
palmengesäumter, weißer Traumstrand, auf dem etwa 15
Fischerboote liegen. Es ist kein Touristenstrand - hier wird hart
gearbeitet und man sieht Berge von Fischernetzen, Paddeln und anderen
Gegenständen. Draußen auf dem Wasser sind etwa acht Boote
zugange - Männer stehen darauf in der prallen sonne und ziehen
an ihren Netzen. Es ist eine völlig friedliche Szene, die von
einem stämmigen Mann unterbrochen wird, der sich uns forsch
in seiner properen Marineuniform nähert. Haben wir etwa ein
Parkverbotszeichen übersehen? Nein, natürlich nicht -
der Mann baut sich vor uns auf und nennt uns seinen Vornamen. Freundlich
fragt er nach unserem Befinden und bietet uns einen Lunch an. Feine,
frische Fische, Papas Frittas, Ensalada und ob man auch eine feine
Salsa aus Cocos möge. Er zeigt mir die Fische und meint, wir
können uns ruhig 45 Minuten am Strand vergnügen - während
er zwischenzeitlich für das leibliche Wohl sorgen würde.
Bei soviel freundlicher Zuvorkommendheit sagen wir sicherlich nicht
nein und lassen den Wagen stehen wo er ist. Der Strand birgt ein
Geheimnis, welches ich meinen Begleitern offenbaren möchte.
Lässig
und barfuss halten wir uns rechts und marschieren auf einen Felsen
zu, der üppig mit allerlei tropischem Gewächs überwuchert
ist. Blaue Agaven, hängende Sträucher und Lianen gibt
es und seltsame holzige Früchte liegen auf dem Sand. Die noch
nicht vertrockneten sternförmigen Hülsen sondern ein leuchtend
grünes Sekret ab, welches sofort wie Gummi an den Fingern klebt
und sehr bitter riecht. Direkt vor uns fließt ein Rinnsal,
eiskaltes Wasser in dem eben diese sternförmigen Früchte
an einem ins Meer vorbei treiben. Süßwasser ? Ein kleiner
Fluss etwa? Wir folgen dem Wasser und sind nun dem Geheimnis auf
der Spur - welches ich zwar schon kenne, für mich aber nie
seinen Reiz verliert. Um die Ecke des Felsens scheint das Wasser
direkt aus dem Berg zu kommen, meint mein Begleiter und die beiden
jungen Frauen genießen die kühle Frische, die einem das
glasklare Wasser spendiert. Ich führe alle um eine weitere
Ecke des Felsens und zeige auf eine bestimmte Stelle in der Wand.
Dort gurgelt es und nun ist allen klar, das hier keine 10 m von
der Wasserlinie des Meeres entfernt eine Quelle entspringt, der
kürzeste Fluss von Samana - was für eine herrliche, tropische
Verschwendung! Alle staunen und können es gar nicht fassen
- sogar kleine Fische leben in der Quelle, die einem pfeilschnell
zwischen den Beinen durchsausen. Sie leben nur im Süßwasser.
Das hatte mir bei einem anderen Besuch ein Fischer erklärt.
Es
ist nun an der Zeit, einen Sprung in die brodelnde Brandung zu wagen,
denn hier ist das Meer nicht so lieblich wie an den anderen Stränden.
Eigentlich ein idealer Ort für Surfer aller Art, denn hier
bläst zudem ständig ein kräftiger Wind. Das Wasser
erfrischt ungemein und das anschließende Bad in der Quelle
weckt unseren Appetit. Wir kehren zur kleinen Strandbude zurück,
wo uns die nächste Überraschung erwartet. Da steht nicht
irgendeiner strahlend hinter dem Tonnengrill! Es ist unser Marine
- Capitano und er trägt eine blütenweiße Kochjacke
und dazu einen schneeweißen Kochhut, der ihm mindestens so
gut steht, wie sein Barett der Marine. Er pfeift vor sich hin und
füllt und mariniert die Fische und unsere Nasen umschmeichelt
ein feiner Duft von Cocos. Der Duft kommt aus einem Topf direkt
vor uns, wo fröhlich eine bunte Soße aus Paprika, Zwiebeln,
Tomaten und eben Cocos vor sich hinblubbert. Der kochende Marinechef
verwandelt sich nun in einen Kellner und serviert uns eiskaltes
"Presidente" Bier in großen Flaschen. Wir nehmen
das alles staunend zur Kenntnis und sind gespannt auf das Essen.
Wir werden nicht enttäuscht - der Fisch ist wunderbar und die
Salsa betont den etwas nussigen Geschmack. Ich habe selten an einer
Strandbude so gut gegessen. Auf einmal hält ein Tourjeep neben
uns. Es stellt sich heraus, dass der Fahrer, ein Freund des Marinechefs,
perfekt englisch spricht und 12 Jahre am "Big Apple" Taxi
gefahren ist und somit New York sehr gut kennt. So kommt eine lebhafte
Diskussion über das Leben in New York auf. Ein Kaffee beendet
das Mahl und wir machen uns langsam auf den Rückweg. Wieder
verzaubert uns die Fülle der Natur und die Freundlichkeit der
Menschen und gut 2 Stunden später treffen wir gut geschüttelt
wieder an der Playa Bonita ein.
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