Ein Abriss der Geschichte von Samana

von Gesine Froese

Als Kolumbus nach Hispaniola kam, gehörte Samaná zu Maguá, dem Reich des Kaziken Guarionex vom Stamm der Ciguayo. Ende des 15.Jahrhundert's führte er sein Heer gegen die Spanier. Aber auch schon bei der ersten Begegnung mit Kolumbus am 13.Januar 1493 waren seine Leute den Fremden nicht so freundlich wie die Taíno von Maríen im Nordwesten gesonnen. "Niemals habe er soviele Pfeile über ein Schiff fliegen sehen", notierte Kolumbus in sein Bordbuch und nannte die Bucht damals Bahía de las Flechas, Bucht der Pfeile; heute erinnert noch die "playa de las flechas" zwischen Santa Bárbara de Samaná und Las Galeras an diesen Namen.

typische Tainobauten & Figuren

Kolumbus in Santo Domingo

Die Spanier mieden Samaná fortan, so dass sich die Halbinsel mitsamt der Höhlen von Los Haïtises zum Schlupfwinkel von Piraten entwickeln konnte. So tauchten hier zeitweise Edward Teach alias Blackbeard und John Rackam alias Calico Jack unter, letztere in Begleitung der berühmten Piratinnen Ann Bonny und Mary Read. Später versteckte sich in Samaná auch der Pirat Roberto Cofresí aus Puerto Rico; nach dem ein Strandabschnitt bei Puerto Plata benannt wurde. *Der Pirat Jackson flüchtete hier vor den Franzosen und nach ihm ist die unzugängliche Playa Jackson benannt.

*Anmerkung vom Webmaster

Ende des 18.Jahrhunderts ließen sich Auswanderer von den Kanarischen Inseln auf der Halbinsel nieder. Doch bald wurde Samaná Objekt der Begierde anderer Nationen.

Als Spanien 1795 ganz Hispaniola an Frankreich abtrat, bald darauf die Französische Revolution zur Geburt Haiti's führte, erwählte Napoleón Samaná als Karibik-Stützpunkt für seine geplante Restauration der Zuckerwirtschaft und wollte dort einen "Port Napoleón" erbauen. Schon hieß Santa Bárbara de Samaná "Cité de Napoleón", doch die Verwirklichung des Großprojekts Port Napoleón scheiterte an der baldigen Vertreibung der Franzosen.

In haitianischer Zeit (1822-1844) siedelten sich schließlich auf Einladung von Präsident Boyer Ex-Sklaven aus den USA in Samaná an.

 

Piraten entern ein Schiff

Ulises Heureux

Mit Beginn der Unabhängigkeit schienen die dominikanischen Präsidenten nichts anderes im Sinn zu haben, als Samaná gegen gutes Geld loszuwerden: Schon unter Santana begannen Verhandlungen mit den USA, die damals nach Stützpunkten in der Karibik Ausschau hielten.

1872 machte Präsident Buenaventura Báez den Vertrag perfekt: Samaná sollte auf 99 Jahre für 150 000 US$ Dollar jährlich an die USA verpachtet werden. Dass es dazu nicht kam, dafür sorgten die "Azules" aus dem Norden - mit Unterstützung von Haiti.

Auch Diktator Ulises Heureux versuchte sein Glück noch einmal, Samaná gegen militärische Unterstützung an die USA zu verpachten; doch dieses Mal verwarfen US-Senat und -Kongress den Antrag. Eine letzte wichtige Rolle spielte Samaná Ende des 19.Jahrhunderts, als über Sánchez die Produkte von La Vega verschifft wurden.

Heute spielt Samaná die wohl wichtigste Außenseiterrolle im Tourismus des Landes: generell als bevorzugtes Ziel von Individualtouristen und speziell zur Walsaison von Januar bis März von Ausflugstouristen.

Samaná in ein Massentourismus-Zentrum wie Puerto Plata oder Punta Cana zu verwandeln, scheiterten glücklicherweise bislang. Darum wird es wohl auch noch eine Weile daueren, bis der Flughafen in El Catey für die Landung von Übersee-Jets fertiggebaut wird.

 

Napoleón

Einige Links über Piraten

Gesine Froese, Reiseredakteurin

Gesine Froese war Reiseredakteurin bei "Die Zeit" und "stern",
bevor sie zum Kolumbusjahr 1992 für vier Jahre nach Bogotá und Cartagena de Indias/Kolumbien ging und sich auf Karibik und Lateinamerika spezialisierte. Ihre Reportagen, Länderporträts und Reisetipps erschienen in diversen Magazinen, darunter stern, Geo-Special "Mundo Maya", Adac-Special "Karibik", Merian "Karibik", in Frauen-, und TV-Programmzeitschriften, Globo, Abenteuer & Reisen, daneben in der FAZ, Die Zeit und Welt am Sonntag.

Als Autorin zahlreicher Reiseführer über Länder der Region und als Herausgeberin von CariLat.de steht sie ständig in Kontakt mit ihrem Spezialgebiet und bereist es mindestens zweimal jährlich.

Dieser Artikel wurde uns mit freundlicher Genehmigung von Gesine Froese und dem www.sebra-verlag.de zur Verfügung gestellt.

 

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