Samana war das Dornröschen der Dominikanischen Republik - nun wird es langsam wachgeküsst.....

.....ob es sich darüber freuen soll, ist noch nicht ganz klar. Einige jedoch reiben sich die Hände und hoffen auf das grosse Geschäft.

Was steckt eigentlich hinter der Zauberformel "all inklusive".....

Ein Ferientraum: Familie Müller wünscht sich Ferien in der Karibik. Man träumt nach einem verregneten Sommer von weissen Sandstränden, Palmen, freundlichen Menschen - alles zu einem Preis, den man sich auch leisten kann!

Die Reiseindustrie füllt für all die Müllers und Meiers ihre Hochglanzprospekte mit verlockenden Angeboten, die genau diesem Wunsch entsprechen.

Eigentlich also eine tolle Sache für Familie Müller - der Karibiktraum rückt so in verlockende Nähe!

Szenenwechsel: Derzeit teilen sich die drei grössten Reiseveranstalter Europas - Thomas Cook, Tui und Rewe 75 % des Marktes. Da bleibt nicht mehr viel Spielraum für die kleinen und unabhängigen Reisebüros - alle hängen so am Tropf der Giganten. Aus der einst verschlafenen Tourismusbranche ist ein knallhartes Geschäft um Milliarden von Euros geworden und mit Sicherheit wird heute nichts mehr dem Zufall überlassen.

Müllers karibischer Traum entstand durch gezielte Werbung, durch die soufflierten Botschaften der "Ferienmacher". Der Traum enspricht deshalb zu 100 % dem geschickt gepackten Pauschalangebot der Reisemacher.

Die Müllers waren noch nie ausserhalb von Europa und betreten somit touristisches Neuland.

Die Reiseverkäufer haben es einfach mit den Müllers - denn die sind völlig unbedarft und glauben alles, was da gesagt wird und im Prospekt steht. Sie glauben darum auch, das es nicht ratsam ist, die Ferienanlage auf eigene Faust zu verlassen.

Am Ziel der Träume

Endlich in der Karibik - die Müllers haben ihr Ziel erreicht und sind nach 3.5 Stunden organisiertem Transfer im Hotel eingetroffen. Alles hat bestens geklappt - auch der Empfang am Flughafen Puerto Plata war toll. Eine einheimische Kapelle hatte für erste Karibikstimmung gesorgt und auch die Fotodamen waren sehr freundlich.

Natürlich will man in den Ferien etwas sehen aber bitte in schön dosierten Häppchen und somit verkaufen die Reiseleiter des Veranstalters vor Ort den Müllers beim ersten Briefing auch gleich die obligate Jeepsafari durch den Busch, den Besuch des karibischen Wasserfalls und die berühmte Bacardi Insel - das sind für Pauschaltouristen die "Hauptattraktionen" auf der Halbinsel Samana.

Was haben denn die Dominikaner von den Müllers und Meiers ?

Bezahlt hat man das Arrangement im deutschen Reisebüro - minus der Provision für das Reisebüro geht das Geld direkt zum Veranstalter und bleibt somit im Land. Die zum speziellen Preis eingekauften Flüge liegen weit unter den Listenpreisen der Charterflieger. Hier hat der Veranstalter ein gutes Geschäft gemacht.

Das Hotel bekommt seinen Teil, der sehr knapp kalkuliert werden musste. Dieser Anteil liegt weit unter den offiziellen Hotelpreisen vor Ort. Damit werden die niedrigen Löhne der Angestellten bezahlt, die F& B Ablteilung erhält ihren budgetierten Beitrag für die Verpflegung und damit begleicht der Hotelier seine weiteren Nebenkosten, Steuern & Taxen.

Der enorme Gewinn des Veranstalters jedoch kommt keinem Dominikaner zugute - er erhält offiziell nicht mal ein Trinkgeld den es ist ja alles inklusive.

Hat denn das Gewerbe der Region etwas von der Familie Müller?

Nein, denn alle Waren werden zentral beim Grosshändler eingekauft und der sitzt meist in der Hauptstadt. Aber an den Ausflügen verdienen die Dominikaner sicher etwas - auch hier gilt das Gleiche. Der Auftrag geht an die grossen Tourveranstalter, die zum Teil landesweit agieren und mit dem Reiseveranstalter zusammenarbeiten. Denn Gewinn durch die völlig überhöhten Preise der Tagesausflüge teilt sich der Veranstalter mit den Tourunternehmern.

Auch das lokale Gastgewerbe hat nichts von den Müllers denn sie verlassen ja ihr Hotel nicht oder nur organisiert. In den Hotelboutiquen verkauft man den Müllers die Souveniers und Artikel für den täglichen Gebrauch zu völlig überrissenen Preisen. Vergleichsmöglichkeiten haben die Müllers nicht. Somit bleibt auch das extra Taschengeld beim Veranstalter und Hotelier.

Ein Hotel, welches vom "normalen" Halbpensions - auf das All Inklusive System umsteigt, kann 30 - 40 % seiner Mitarbeiter entlassen. Der Service wird von individueller Bedienung auf Buffetbetrieb umgeschaltet - statt einem abendlich abwechselnden Menue füllt man das Buffet - welches zwar anfangs recht bunt aussieht, aber bei genauerem Hinsehen eigentlich aus immer den gleichen Tutaten besteht - einfach in etwas anderer Form.

Die täglich grosszügig eingeschenkten Cuba Libres und Pina Coladas ab morgens um 10.00 bis abends um 23.00 Uhr sind zum Teil Convinience Produkte - also Fertigwaren, speziell konzipiert für diese Art von Ausschank. Nur inländische Spirituosen sind gratis - für Importware legt man viel Geld auf den Tresen. Statt Gläsern gibt es Plastikbecher - was manchmal und bei bestimmen Leuten durchaus Sinn macht. Nach 23.00 Uhr bezahlt der Gast dann Discopreise - dann gibt es alles Exklusiv.... Viele Zeitgenossen erleben diesen Moment aber eher selten, denn zu dieser Nachtzeit liegen sie längst "Cuba Libre selig" im Bett und träumen friedlich vom nächsten Tag im Paradies.

Irgendwas muss doch für die Dominikaner bleiben?

Die Jeepsafari fährt fast täglich mitten durch den Markt von Samana. Nicht das man anhält und zu Fuss über den Markt schlendert. Da könnten die Leute was kaufen - ein paar Früchte zum Beispiel und sie dann in den entlegenen Tälern an die Kinder verteilen, die immer noch winkend am Pistenrand stehen. Nein, die Jeepsafari fährt im Konvoi quer durch die eh schon engen Marktgassen - wie im Zoo - und es wird vom fahrenden Wagen geknipst. Die Marktleute freuen sich Tag für Tag auf dieses "Schauspiel", in dem sie die Statisten sind. Lohn gibt es nicht!

Die Jeepsafari donnert im Konvoi weiter durch abgelegene Regionen, zerfahren die eh schon schlechten Strassen und wenn es sehr trocken ist hinterlässt der Jeepkonvoi eine riesige Staubwolke - das ist alles was bleibt...

Wie fanden denn nun die Müllers ihren Karibikurlaub. Dazu lesen sie am Besten die Beiträge im Samana Page Forum

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