Ureinwohner Hispaniolas - Die Tainos 

Wie überall, wo wir auftauchten, brachten wir mehr Schaden als Nutzen. Als Christopher Columbus 1492 zum ersten mal in der Bucht von Samana auftauchte, wussten die Ureinwohner zwar noch nicht, das dies ihr baldiges Ende sein würde und auch Columbus war sich dessen wohl nicht bewusst.

Trotzdem ist es eine Tatsache, das alle Indianer auf Hispaniola innert kürzester Zeit von den Spaniern ausgerottet wurden und wir heute nur noch die in Stein geritzten Zeichnungen oder Fundstücke dieser Ureinwohner bestaunen können. 

Noch schlimmer ist, das es Leute gibt, die echte  Taino - Artefakte von illegalen Händlern kaufen und diese Trophäen dann stolz auf ihr Wohnzimmer Buffet stellen, wo es sicher nicht hingehört. Nachgemachtes gibt es überall zu kaufen....

Die Besiedlung der karibischen Inseln

Sie erfolgte in mehreren Wellen vom südamerikanischen Festland aus. Die dort lebenden Arawaks waren beständig auf der Suche nach ergiebigen Fischgründen und steuerten darum auch  die vorgelagerten Inseln der Antillen an und kamen auf dem Landweg über Mittelamerika bis nach Mexiko. Anfangs waren sie Jäger und Sammler und lernten erst allmählich den Anbau von Grundnahrungsmitteln (Yucca). So kamen sie bis nach Hispaniola und sogar nach Cuba. Die Tainos waren ein Stamm dieser Arawaks und siedelten hauptsächlich auf Hispaniola und Puerto Rico.

Kunstvolle Kanus - eine Spezialität der Tainos

Die Tainos hatten fundierte Kenntnisse über den Bau von großen Kanus. Mit diesen Booten fuhren sie auch zu den Nachbarinseln, um Handel zu treiben. Dabei schafften sie mit ihren schnellen Booten Stecken bis nach Florida und Mexiko (über 1000 km). Die Boote erreichten eine so hohe Geschwindigkeit, denn es ruderten normalerweise 35 Mann. Es gab Boote mit bis zu 80 Mann. 

Die Kultur der Tainos

Bedingt durch die Insellage entwickelten sie eine eigenständige Kultur. Sie lebten in Gemeinschaften, welche nach festgelegten Normen organisiert waren und glaubten an Naturgötter. Angeführt wurden diese Gemeinschaften von einem Kaziken, was in der Arawaksprache soviel wie Dorfchef bedeutete. 

Die Tainos hatten eine große künstlerische Fertigkeit erlangt, was man heute an den prähistorischen Funden, wie Tongefässen und Kultgegenständen, erkennen kann. Gefördert wurde diese Kunstfertigkeit durch die Tatsache, das sich die Kaziken durch besonders aufwendige Schmuckstücke und Kultgegenstände von den restlichen Stammesmitgliedern abhoben. Diese Schmuckstücke wiederum stachelte später die Gier der Spanier nach Gold um so mehr an. Kultgegenstände benutzten die Kaziken, um mit ihrem Göttern in Kontakt zu treten. 

Die Bevölkerung war grundsätzlich in zwei Gruppen aufgeteilt - der Kazike und seine Sippschaft einerseits und auf der anderen Seite der große Rest. die in größeren Gruppen zusammenlebende Gemeinschaft lebte in Canays, runden oder eckigen Hütten und Langhäusern. Geschlafen wurde in Hängematten. Diese Gruppen setzten sich aus 5 -7 Familien zusammen, so das eine Gruppe aus rund 30 Personen bestand. Die Familien waren meist direkt untereinander verwand, aber eine Verbindung innerhalb der Gruppe war strickt verboten. 

Diese einzelnen Gruppen lebten in Aldeas (Dorfgemeinschaften) zusammen. Dieser stand ein Kanzike voran. Die Aldeas lebten völlig unabhängig voneinander, schlossen sich aber in gewissen Fällen zusammen um sich zum Beispiel gegen feindliche Stämme zu verteidigen. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen wurde dann der vermeintlich mächtigste Kazike zum Oberhaupt aller Kriegführenden gewählt. 

Der Glaube an Naturgötter

Die einzelnen Stämme der Tainos verehrten unterschiedlichen Götter, die aus ihrer jeweiligen Tradition stammten. Sie kannten also keinen alles beherrschenden Gott.  Der Hauptgott Cemf war meist zugleich auch der Gott der Yuccawurzel, Yocatu Vagua Maorocoti. Die Yuccawurzel war das Hauptnahrungsmittel der Taino, deshalb gehörte diesem Gott der grösste Respekt. Eine weiterere wichtige Gottheit war Guabancex, die Göttin der Hurrikane, welche als göttliche Strafe angesehen wurde. Eine weitere wichtige Gottheit war Yocahu, die Göttin der Fruchtbarkeit.

Religiöse Rieten der Tainos

Der Glaube an verschiedene Gottheiten, deren Stärke verschieden waren, ließ auch unterschiedliche religiöse Zeremonien und Vorgehensweisen entstehen. Die Kaziken, die mit den stärkeren Göttern kommunizierten, standen in einem höheren Ansehen. Diese Kommunikation fand in einer Zeremonie statt, die Rito de la Cocoba genannt wurde. Sie basierte auf der Einnahme einer halluzinogenen Droge. Dies war die wichtigste Zeremonie der Tainos. Der Kazike versetzte sich durch die Einnahme der Droge in einen Trancezustand; erst dann konnte er mit den Göttern in Kontakt treten.  Bevor die Tainos, die dieser Zeremonie beiwohnen wollten, die Hütte des Kaziken betreten durften, mussten sie sich von innen reinigen.  Sie führten dazu künstlich durch einen  Spatel den Brechreiz herbei und übergaben sich. Erst danach durfte man die Hütte des Kaziken betreten. 

Die religiösen Zeremonien nahmen einen breiten Raum im Leben der Tainos ein. Es gab eine Reihe von Leuten, die ausschließlich für die Ausübung und Hilfestellung bei den Riten ausgebildet war. Diese sogenannten Behiques fungierten auch als  Heiler oder Medizinleute. Sie trugen wie der Kazike einen speziellen Schmuck, der sie von den Anderen unterschied. Auch sie konnten mit den Göttern kommunizieren, jedoch hatten die Kaziken immer die grössere Autorität. Sie fungierten zu alledem auch als Berater der Kaziken.

Das Ballspiel der Tainos

Die Tainos spielten zum Zeitvertreib ein Ballspiel, genannt Batey, welches einem Federballspiel ähnelte. Gespielt wurde auf einem Platz vor der Hütte des Kaziken. 20 - 30 Spieler bildeten dabei eine Mannschaft. Der Ball durfte nur mit Ellenbogen, Schulter, Kopf, oder der Hüfte gespielt werden. Sprang der Ball über die Begrenzung, oder blieb er am Boden liegen, wurde er als Tod gezählt. Er wurde aus Gras hergestellt, welches in einer angerührten Paste rundlich geformt wurde. Wahrscheinlich wurde dieses Ballspiel von den Mayas aus Mexiko übernommen, allerdings ohne deren religiösen Hintergrund.

Das Ende der Tainos

Wie schon zu Anfang erwähnt, waren die Spanier Schuld am Ende der Tainos. Eingeschleppte Krankheiten, knochenharte Schufterei in den Minen oder auf den Feldern, kollektive Selbsttötung und pure Barbarei waren die Ursache. Aus einer Überlieferung der Geschichte  wird berichtet, dass ein spanischer Pflanzer jeden Tag zu Ehren der 12 Apostel wahllos 12 Tainos tötete.... soviel zum Thema Kultur der spanischen Kolonialherren. 

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