Fischvergiftung (Ciguatera)

 

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von 

A Med-World AG
Ackerstr. 14, D-10115 Berlin-Mitte
Tel. +49 30 280-9-4444, Fax -5780
Voicemail/pers. Fax 0180 505254-545702
m-ww.de - Alles über Medizin und Gesundheit!

zur Verfügung gestellt.

Weitere interessante Links sind Infos/Tipps auf unsere Tauch- und Tropenkrankheiten:
http://www.m-ww.ch/krankheiten/tauchkrankheiten/index.html
http://www.m-ww.ch/krankheiten/tropenkrankheiten/index.html

Allgemeines

Die Bezeichnung Ciguatera stammt aus dem Spanischen und bedeutet Eiweißvergiftung. Es gibt eine ganze Reihe von Vergiftungen, die durch den Biss, Stich oder Verzehr von Fischen zustande kommen. So z.B. durch überalterten verwesenden Fisch oder den Kugelfisch, um nur einige zu nennen. Im Fall von Ciguatera entsteht die Vergiftung durch Fische, die an sich selber nicht giftig sind, sondern erst durch die Nahrungsaufnahme giftiger Substanzen giftig geworden sind.

Erreger

Die Ursache der Vergiftung Ciguatera ist das Toxin Ciguatoxin. Dieses Gift ist ein Nervengift und beeinflusst die präsynaptische Erregbarkeit. Synapsen sind die "Verbindungen" der Nerven untereinander und der Nerven mit den Muskeln. Ciguatoxin wird durch Dinoflagellaten der Gattung Gambierdiscus toxicus, die auf verschiedenen Makroalgen leben, produziert. Diese Algen kommen auf Korallenriffen vor. Fischen, die diese Algen fressen und dabei vergiftet wurden, ist die Vergiftung selber nicht anzumerken.

Übertragung

Eine Reihe pflanzenfressender Fische, wie z.B. Doktor- oder Papageifische, nehmen das Gift mit der Nahrung auf. Raubfische, die diese kontaminierten Fische fressen, entwickeln dann ebenfalls toxische Wirkungen beim Verzehr durch den Menschen. Es sind dies u.a. Muränen, Snapper, Barrakudas, Makrelen und eine Reihe von Barscharten. Große Raubfische sind besonders stark kontaminiert. Das Gift ist fettlöslich, was die Aufnahme zusätzlich begünstigt und hitzestabil.

Prophylaxe (Vorbeugen)

Da die vergifteten Fische nicht primär giftig sind und in der Regel völlig unbedenklich verzehrt werden können, gibt es praktisch keine Möglichkeit sich vor einer derartigen Vergiftung zu schützen. Es sei denn, man isst in den betreffenden Ländern grundsätzlich keinen Fisch mehr. Ein Schutz ist auch deswegen nicht möglich, da das Gift weder durch Kochen, Braten oder Grillen zerstört werden kann. Sollte man von derartigen Vergiftungsfällen in der Urlaubsgegend hören, ist auf den Genuss von Fisch zu verzichten. Die gefährlichsten Situationen für eine Intoxikation der Fische entstehen nach heftigen Stürmen und Unwettern.

Inkubationszeit

Zwischen 1 - 30 Stunden

Symptome

Die Symptome beginnen mit Schwitzen, Taubheitsgefühl und Brennen, vor allem im Mundbereich. Später treten Schüttelfrost, Schwindelgefühle, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle und Muskelkrämpfe auf. Außerdem breiten sich die Taubheitsgefühle in Hände, Füße sowie im Gesicht aus. Das Wärme- und Kältegefühl dreht sich um. Allgemeines Schwächegefühl entsteht. Die Beschwerden können, je nach Gewicht und Alter der Person, sowie der Menge des aufgenommenen Gifts in ihrer Stärke schwanken.
Seltener sind lebensbedrohliche Absinken des Blutdrucks und Herzrasen (Tachykardia). Die Beschwerden können über Monate andauern.

Diagnostik

Die Diagnose ergibt sich aus der Vorgeschichte, also dem Fischessen in bestimmten Gegenden, sowie den Symptomen. Ein Nachweis des Giftes ist nur mit sehr großem Aufwand in wenigen Labors möglich.

Vorkommen

Vor allem in der Karibik, dem Indischen und Pazifischen Ozean sowie der Südsee.

Letalität

Die Letalität (Sterblichkeit) von Ciguatera liegt bis zu 7 %. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass die Anzahl der auswertbaren Fälle relativ gering ist und daher dieser Zahl sehr starken Schwankungen unterliegt. Demnach sterben von 1 000 vergifteten Menschen bis zu 7 an dieser Vergiftung.

Therapie

Eine Therapie gegen das Toxin (Gift) selber existiert nicht. Es können daher nur die Symptome gemildert bzw. therapiert werden. So sollte als Akuttherapie eine Infusion von Mannitol 20 % erfolgen. Mannitol ist ein Zuckeralkohol und fördert die Urinausscheidung (diuretisch) und damit die vermehrte Ausscheidung des Gifts. Bei lebensbedrohlichen Situationen sollten Plasmaexpander, also Infusionen, die aufgrund ihrer kolloidosmotischen Eigenschaften das Plasmavolumen des Blutes vergrößern und über längere Zeit im Kreislauf verbleiben, verabreicht werden. Außerdem ist dann die Gabe von Atropin und Dopamin erforderlich. Im frühen Vergiftungsstadium ist außerdem ein Auspumpen des Magens sinnvoll.


© A Med-World AG, Geändert am: 20.09.2000 - Dieser Beitrag wurde von den im Impressum genannten
Fachärzten und Ärztinnen des jeweiligen Bereiches erstellt und vom Redaktionsteam didaktisch überarbeitet.
Bitte beachten Sie auch unseren Haftungsausschluss!

Sie möchten den Artikel als Download im Wordformat - download Fischvergiftung