"Ethik im Tourismus"

– Eine Beitragsserie von manzana

Aufbruchstimmung im Mañana Land .
Teil 1
 


Hier geht es um mein persönliches Kernthema.

Zuerst eine moderne Definition des Begriffes Ethik aus WikipediaDie allgemeine Ethik - die im Folgenden einfach als Ethik bezeichnet wird - stellt Kriterien für gutes und schlechtes Handeln und die Bewertung seiner Motive und Folgen auf. Sie ist die Grundlagendisziplin der Angewandten Ethik, die sich als Individualethik, Sozialethik und in den Bereichsethiken mit den normativen Problemen ihres spezifischen Lebensbereiches befasst.


Ich befasse mich in diesem mehrteiligen Referat mit der Ethik im Tourismus. Und in diesem ersten Teil geht es um Ursache und Wirkung – speziell im Zusammenhang mit der kurz bevor stehenden Neueröffnung des Internationalen Flughafen El Catey bei Nagua. In dieses Projekt wird schon lange viel Hoffnung für die wirtschaftliche & touristische Zukunft der Halbinsel Samana gelegt.

Der Tourismus ist weltweit eine der am stärksten boomenden Wirtschaftssparten. Speziell Schwellenländer und so genannte Drittweltländer setzen sehr große Hoffnungen auf diesen Wirtschaftsbereich. Aber auch genau da liegt das Problem dieser Branche. Denn aus dem einstig lokal organisierten Fremdenverkehr „aus der guten alten Zeit“ ist heute eine gut funktionierende Industrie geworden und deren Macher setzen ganz klare Prioritäten. Sicherlich nicht die Ethik, denn es geht primär um das Geschäft, um Geld und um Gewinne und darum um ständiges und vor allem positives Wachstum.
Was aber ist positives Wachstum? Und wessen Wachstum ist damit gemeint? Für die Tourismus Konzerne, die Fluggesellschaften und Hotelketten z.B. ist eine ganz klare Steigerung der eigenen Gewinne gemeint. Also immer mehr Gewinn bei einer so niedrigen Kostendecke als nur möglich.

Die involvierten Länder erwarten Verbesserung ihres Bruttoinlandproduktes, die Steigerung der Lebensqualität und einen besseren Stellenwert im Länder - Rancing. Die Menschen vor Ort erwarten sichere Jobs, die Verbesserung der Lebensumstände und zumindest einen bescheidenen Wohlstand. Der Gast erwartet vor allem schöne und bezahlbare Ferien ganz nach seinem Geschmack (den ihm die Tourismusindustrie ununterbrochen gekonnt soufliert).
Die verschiedenen Faktoren laufen hier, wie man bemerkt, zusammen. Und das alles unter einen Hut zu bringen, ist das Schwierigste am Ganzen. Da wären mal z.B. der Hauptsitz der Firma, das Management in den jeweiligen Ländern der ersten Welt und die dadurch entstehenden Kosten. Es ist eigentlich klar, das eine im Erstweltland erbrachte Leistung mehr kostet, als die Selbe in einem Schwellenland. Also fressen die Verwaltungskosen im Mutterland einen Grossteil der Einahmen. Lediglich ein kleiner Teil kommt den Hotels, deren Kader und  Angestellten in der Zielregion zugute.  

Und es kommt hinzu, das die administrativ Handelnden z.B. in der Dominikanischen Republik auch ihren angemessenen Teil von diesem Kuchen abhaben wollen. Sprich entscheidende und kontrollierende Behörden, das Tourismusministerium und seine Amtsstellen, die allgegenwärtigen Lobbyisten und Nutzniesser, ect. Wer nun weiß, mit welchen Ansprüchen diese Leute heute aufwarten, und aus was für einem System diese kommen (Korruption, Vetternwirtschaft und angeborener Schlendrian) erkennt schon im Ansatz, was für einen unternehmerischen Spagat das verlangt. Alleine hier prallen 2 Welten aufeinander. Wenn man nun auch noch die betroffene Bevölkerung mit einbezieht, kann man sich sicherlich gut vorstellen, auf wessen Kosten das Paket „schöne Ferien“ geschnürt wird.  Es sind immer die Menschen in den Zielländern und genauso die dortige Natur, die sich für zufriedene Gäste krumm machen muss. Denn die Erwartungshaltung der zahlenden Kundschaft ist heute das Maß der Dinge. Je mehr man den zahlenden Menschen heute verspricht, um so mehr wollen sie. Und klar glaubt der Kunde, völlig im Recht zu sein. Immerhin geht es um sein Geld und um seine Wünsche. Wie das ganze Schlussendlich klappt, interessiert ihn eher weniger – die Hauptsache ist – es klappt. Der Kunde ist König. Also gibt es ganz klar Verlierer in diesem Spiel. Und nun dürfen sie raten, wer das wohl ist. Die Masse bestimmt und um Masse geht es hier. Wir sprechen nicht umsonst heute von modernem Massentourismus. 
Was denken sie, was es braucht, damit ein internationaler Tourismuskonzern sich auf eine neue oder alte Destination überhaupt einlässt? Was denken sie, welche Hebel hier in Bewegung gesetzt werden müssen, damit die Grossraumjets überhaupt in El Catey, dem im November  neu eröffnenden Internationalen Flughafen von Samana zur Landung ansetzen. Hier geht es um das ganz große Geld und entsprechend ist für die Investoren derzeit auch die Stimmung vor Ort. Und man kann das mit gutem Gewissen mit dem Stapellauf eines neuen Luxusliners vergleichen. Da muss alles stimmen und das letzte Glied in der Kette sind immer die Menschen vor Ort und die in Anspruch genommene Natur. Es müssen darum erst mal künstliche Welten aus dem Boden gestampft werden und das bracht „weitsichtige“ Macher, Architekten, Planer und ganz schweres Gerät. Das braucht in jeder Hinsicht geebnete Wege, überzeugte Politiker und wenn es dann soweit ist, Fähnchen schwingende, herausgeputzte Menschen und exotische Orte. Doch wohin mit all dem Müll, der sonst die Strassen dort „ziert“? Nun, für den findet sich ein abgelegenes Plätzchen, wo normalerweise kein zahlender Tourist hinkommt. Und glauben sie mir – diese heimlichen Oertchen gibt es mehr als genug. Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen und was man dort sieht, können sie sich gar nicht vorstellen.
Klar, denkt irgendeiner daran, diesen Müll später irgendwie zu entsorgen. Aber das hat ja Zeit, wie hier alles seine Zeit braucht. Da es hier um das Mañana Land geht, kann sich jeder Mensch, dem die Mentalität einigermaßen vertraut ist vorstellen, wie das irgendwann gehandhabt wird. Die Umwelt dort hat noch keine große Lobby und die Armen und Ärmsten auch nicht. Und jeder, der sowas auf’s Tablett bringt ist in den Augen der Macher diesseits und jenseits des Ozeans ein Nestbeschmutzer. Ein Miesepeter, denn es herrscht schon bald Gläser klingende Hochstimmung, ja Champagnerlaune. Und wer will sich schon solch historische Momente mit "Ethik im Tourismus" vergraulen lassen.

Nun ich schreibe dieses Referat schon heute, denn der Moment der Wahrheit ist erst im November. Jetzt herrscht allseits emsiges Treiben, sei das im Portillo, in Coson, in Samana oder in Las Galeras. Jetzt setzt man mental zum Finishing an und die Schulklassen proben schon ihre farbenfrohen, besser die blau, weiß roten Paraden und den Menschen trichtert man derzeit ein, dass bald alles besser wird. Eventuell wird sogar die Dorfstrasse im Eiltempo neu geteert als Zeichen, das der Aufschwung endlich angekommen ist. Und den Auserwählten und handverlesenen neuen Mitarbeitern wird gerade das touristische 1 X 1 beigebracht. Denn alles muss klappen und die Meinung der ersten Gäste wird mit Gold aufgewogen. Alles weitere findet nach der Stunde null statt.
Im nächsten Teil geht es um Gedanken, wie man diese Situation positiv angehen könnte.
Hier noch ein paar Links zum Thema:

Geschrieben wurde diese Beitragsreihe im Oktober bis Dezember 2006

Inhaltsverzeichnis

 

Aufbruchstimmung im Mañana Land