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Was wir hier anrichten!Gedanken zum Saisonschluss 2003 |
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Henry James
Es gibt hier in der Dominikanischen Republik in den touristischen Regionen zwei Welten und die wird es wohl noch lange geben. Zum einen ist da die Welt der einfachen Dominikaner mit allem was sie brauchen und was sie zum Leben haben. Diese Welt funktioniert schon lange, auch wenn sie für unsere Verhältnisse oft schwer verständlich ist. Der Dominikaner versucht seit Generationen sich und seine Familie durchzubringen. Dies gelingt ihm aufgrund seiner lang entwickelten und erprobten Strategien und durch seinen einfachen Anspruch an das Leben. Irgendwie klappt es für ihn immer. Dabei bleibt ihm nicht viel Spiel für Innovation und Weitsicht - aber er ist lebenslustig und meist guter Dinge. Darum beneiden ihn insgeheim viele. Sie wird immer mehr durch die zweite Welt der zugezogenen und zum Teil fremden Menschen verändert. Gemeint ist das Umfeld der hier lebenden und niedergelassenen Ausländer. Es ist meist künstlich und geschaffen aus der vermeintlichen Notwendigkeit, seine eigene, alte Heimat hier zu reflektieren und dadurch neu und mit karibischem Flair entstehen zu lassen. Sie basiert auf anderen Werten wie Welt der Dominikaner und dient den sich hier niedergelassenen Ausländern um ihren hier entwickelten Lebensstil zu praktizieren. Es ist auch die Welt der Touristen denn kein Europäer kann wie ein Dominikaner leben, dazu ist er nicht gewillt und denkt zumal ganz anders über das Leben. Diese Kunstwelt gibt es weltweit, wo Europäer oder Amerikaner im Ausland leben, ob das in Afrika ist oder in Asien, China oder hier in der Karibik. Geschichte & Entwicklung Durch diese jeweilige Ausländer - Kunstwelt entstand etwas völlig Neues und je nach dem welche Nationalität federführend war und ist, kann man im Land heute verschiedene Entwicklungen studieren. Sosua zum Beispiel wurde von deutschstämmigen Juden in den 40er Jahren gegründet. Dies Juden, die das Glück hatten, dem Naziterror zu entgehen bauten seinerzeit die dominikanische Milchwirtschaft auf. Sie bauten außerdem schon früh Gästehäuser, Hotels, Schulen und bildeten eine kleine jüdischen Gemeinde, die heute fast in Vergessenheit geraten ist. Sie hatten sich damals Theodor Herzls Ideen auf die Fahne geschrieben (Herzl proklamierte 1896 in Basel den modernen Zionismus) und so entstand wie in Israel eine Art Kibbuz, der Milch und Milchprodukte produzierte, wie sie zuvor im Lande noch nicht bekannt waren. Heute ist Sosua der größte Milchproduzent und versorgt die ganze Insel mit Käse, Milch, Joghurt und Butter. Die Wiege des modernen Tourismus war der von den Juden gegründete Ort Sosua, die Region Puerto Plata und das heutige Cabarete. Fakt ist, das sich rund um Sosua immer mehr Deutschsprachige niedergelassen hatten und das dadurch auch der dortige Tourismus geprägt wurde. In den 90er Jahren erlebte dieser Boom mit FTI seinen Höhepunkt und Sosua war eine ganze Weile als der Ballermann der Karibik in aller Munde. Ein recht zweifelhafter Ruf war so entstanden unter dem die touristische Nordküste noch heute leidet. Man arbeitet seit geraumer Zeit an einem neuen Image; tut sich aber schwer, ein neues Gesicht zu bekommen - Sosua und Cabarete sind heute nach wie vor die Region mit den meisten deutschsprachigen Residenten, also Menschen die hier leben und zum Teil auch ihr Geld hier verdienen. Logischerweise sind viele kleine Hotels, Restaurants und andere Geschäfte in deren Hand. Nach dem Zusammenbruch von FTI mussten viele dieser Hotels schliessen und die Region Sosua - Cabarete - Puerto Plata traf es am härtesten. Auf der Halbinsel Samana waren und sind es in erster Linie die Franzosen, welche diese Region früh für sich entdeckt hatten. Heute gibt es französische Boutiquen, Bäckereien, Metzger, Baugeschäfte, Makler, einige Restaurants und Hotels und Souvenirläden. Man kommt sich irgendwie ein wenig wie an der Coté d' Azur vor, wenn man über die am Meer gelegenen Wege und Strassen bummelt. Nebst der offiziellen Französischen Schule gibt es eine Schule für Dominikaner, wo diese neben Französisch praktische Dinge erlernen, die später wieder den vielen Franzosen zugute kommen. Wer sich ernsthaft überlegt, in Las Terrenas leben zu wollen, tut gut daran französisch zu sprechen oder zu lernen. Für viele Dominikaner und Ausländer ist das hier fast wichtiger als die spanische Landessprache. Der dominikanische Massentourismus Der moderne dominikanische
Tourismus ist ein reines Kunstprodukt. Er ist nicht natürlich gewachsen
wie in Europa, sondern er wurde hierher gebracht. Das Konzept "all inklusive" wurde seinerzeit massgeblich hier entwickelt um es heute weltweit in Schwellenländern anzuwenden. Dies ist touristischer Kololialismus. Am Tropf der Weltwirtschaft Da diese Art von Tourismus am Verlauf der Weltwirtschaft hängt, ist das Geschäft abhängig von der jeweiligen Wirtschaftslage der Länder, aus denen die Gäste kommen. Hier kann es größere Einbrüche geben, da das Land durch den Tourismus am Tropf der Weltkonjunktur hängt. Die dominikanische Republik ist ein Importland - der Export beschränkt sich auf Nahrungs & Genussmittel wie Bananen, Kaffee oder Tabak und nur wenige Handelsgüter. Flugzeugunglücke wie der Absturz der Maschine der Birgenair in Puerto Plata oder der 11. September haben grossen Einfluss auf das Reisegeschäft, genauso wie die schlechte wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik oder der Gulfwar II .
Es gibt in diesem Land bis heute keine leistungsfähigen Hotel - oder Gastronomie - Fachschulen, in denen junge Leute fundiert lernen können, wie zum Beispiel ein guter Service funktioniert. Die Abteilungschefs, die in den grossen Ressorts für diese Jobs und die Ausbildung der Mitarbeiter verantwortlich sind, haben das im Ausland gelernt oder sind gut ausgebildete Ausländer. Das Personal in den Hotelressorts wird praktisch nur "inhouse" trainiert und lernt auch nur das, was es gerade zu seinem Job braucht. Es ist somit nicht verwunderlich, das es landesweit sehr wenige gut ausgebildete Dominikaner im Hotelfach gibt. Für die Zukunft wäre das aber enorm wichtig. Das gleiche gilt für den Bereich Tourismus und Marketing. Anders ist die Situation in den grossen Städten, wo die dominikanische "Upperclass" lebt und konsumiert. Dorthin gehen die guten Leute und finden besser bezahlte Arbeit. Individualtourismus Menschen aus aller Herren Länder haben dazu beigetragen, das es auch noch einen anderen Tourismus in diesem Land gibt. Ueberall im Lande findet man heute individuelle Hotels aller Preisklassen, die zum Teil nur wenig mit den grossen Veranstaltern zusammen arbeiten. Hier findet man oftmals die authentische Gastfreundschaft und das echte karibische Feeling. Diese haben es aber nicht leicht, da sie noch mehr auf gute und bezahlbare Flugverbindungen angewiesen sind. Weiterhin nachteilig wirkt sich die schlechte Zusammenarbeit untereinander aus und das oftmals fehlende Wissen über das Zusammenspiel der Märkte und modernes Marketing.
Der Individualtourismus hängt heute von den Reiseveranstaltern ab, denn durch die Flugkontingente der Tourismuskonzerne, die heute das Heft in der Hand haben, kann sich der Preis für ein Flugticket über Nacht ändern. Reine Airlines bieten meist nur teure Linienflüge an. Die Charterflieger von Thomas Cook, Rewe, Tui oder den Neckermännern befördern lieber ihre Pauschaltouris. Zumal gibt es weltweit so viele Alternativen zur Dominikanischen Republik. Nach den Boomjahren in den späten 80ern und 90ern ist das Land heute eine Destination unter vielen. Marketing Inwieweit betreibt die Dominikanische Republik ein eigenes Tourismusmarketing und wie weit ist dieser Sektor ausgebaut? Die Dominikanische Republik befindet sich touristisch schon lange in den Händen der großen Veranstalter und ist heute von diesen abhängig. Neue Projekte von zum Teil Dominikanischen Investoren gehen in die ähnliche Richtung. Immer wird dabei im Grossen gedacht - "Think Big" ist die Devise. Großprojekte wie zum Beispiel Cap Cana werden von Amerikanischen Investoren erstellt. Jachthäfen werden von Schweizern geplant. Ganze Buchten wie die Playa Rincon bei Las Galeras auf Samana wurden von Popstars gekauft und statt die wunderbare Natur zu belassen, werden dort weitere Luxusressorts für Millionäre geplant. Der Ausverkauf des Landes geht immer weiter und aus der wunderschönen Insel wird so ein Spielplatz für die Reichen und Schönen. Siehe Casa del Campo. Weltweite Imagekampagnen für die Dominikanische Republik als Reiseziel selber gehören nicht dazu und scheinen auch nicht nötig zu sein. Das wäre die Aufgabe der offiziellen Tourismusbehörde. Hier tut sich zwar was im Lande selber, aber in Europa bekommt man so gut wie nichts davon mit. Hier tut sich das Oficina de Tourismo sehr schwer - anscheinend hat es andere Prioritäten. Diese Aufgabe überlässt man dann oftmals unwissentlich. in Deutschland z.B Sendern wie RTL2 oder Pro7. Jahr für Jahr kommen Filmteams aus aller Herren Länder und Sender um Reportagen über das Reiseland Dominikanische Republik zu drehen. Dabei werden fast immer die Gleichen ins Rampenlicht gerückt. Auch Lifestyle Magazine interessieren sich für Land und Leute. Dabei entstehen aber auch pseudokritische Beiträge mit Boulevardcharakter. Zweckgemeinschaften Es entstehen aus Notwendigkeiten immer mehr Gemeinschaften, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dies ist eine sehr positive Entwicklung in die richtige Richtung. Oftmals springen diese in die Presche vom Tourismo oder den Gemeinden. Der Binnentourismus Ein neues Standbein für Regionen wie die Playa Bonita auf Samana ist der Binnentourismus. Reiche Dominikaner aus der Hauptstadt und den anderen Metropolen haben endlich die Halbinsel Samana entdeckt.. So entstehen neue und luxuriöse Appartementanlagen und Villenkomplexe - hiervon gibt es mehrere Projekte für die Weekendtouristen aus der Hauptstadt. Durch den Ausbau des Straßennetzes wird der Anschluss für Samana um ein vielfaches einfacher. Die neue Autobahn Santo Domingo - Nagua verkürzt die Anfahrt aus der Hauptstadt von derzeit 4.5 Std. auf knapp 1.5 Std. Diese Art von Tourismus bringt wiederum nur einer kleinen Schicht von Hoteliers, Hausbesitzern und Wirten einen guten Profit. Ansonsten steigen die Bodenpreise ins Astronomische und die Makler verdienen sich eine goldene Nase. Das Spekulantentum nimmt zu und Samana verkommt langfristig zum Freizeit - und Funpark für reiche Großstädter. Das Preis - Leistungsverhältnis verändert sich weiter ins Negative - Samana wird in Zukunft noch teuerer werden und dadurch seinen Reiz für viele Reisende mit schmalem Budget verlieren. Schade aber wahr. Individualtourismus und Internet Das Internet ist heute das wichtigste Medium für individuelle Anbieter. Dort und in den Reiseführern findet man Angebote abseits vom Massentourismus. Dabei muss man klar sehen, das die Reiseführer in diesem Land wegen der schnellen Veränderungen selten aktuell sind und sie bieten darum mehr Hintergrundinfos zu Land und Leuten. Der Anteil der privaten Anbieter drängt sich also im Internet und dort findet man wahrhaft viele Angebote, wobei sich die Qualität der Angebote stark unterscheidet. Unter den vielem Internetauftritten muss man sich die Perlen aber schon genau heraussuchen. Oftmals wird hier nicht immer so ganz richtig dargestellt. Auch fehlt vielen Anbietern noch das Verständnis und das nötige Wissen für einen gelungenen Webauftritt. "Weniger ist mehr" wäre die Devise und oft geht der Internetauftritt in die Hose. Auch im Internet gibt es wenig Destinationsmarketing - also Webauftritte für eine Region. Was in anderen Ländern längst Standard ist, findet hier noch nicht statt. Es gibt in den Tourismusorten keine offiziellen Tourismusbüros die vor Ort für solche Aufgaben zuständig wären. Es gibt fast nur die kommerziellen Anbieter und wer Werbung braucht, der zahlt oftmals für dubiose Werbeprodukte, die nur einem dienen - dem Anbieter. Solche Produkte findet man zuhauf und es sind immer die Gleichen, die dort vierfarbig werben. Zum Teil gibt es auch Ueberschneidungen - In Las Terrenas gab es eine zeitlang drei französische Heftchen - welche zum Teil 1 zu 1 das gleiche in unterschiedlicher Qualität wiedergaben. Eine deutschsprachige Ausgabe war so schlecht übersetzt, das man den Sinn der Texte schlichtweg nicht verstand. Das solche Maßnamen eher negativ zu werten sind, versteht sich von selbst. Es spricht auch für die Wertschätzung der Macher für deutschsprachige Gäste. Totentanz Man nimmt es immer noch einfach hin, das zum Beispiel nach Ostern viel weniger Gäste kommen. Man schafft in den vier starken Monaten von Dezember bis Ostern soviel auf die Seite, das man den Rest des Jahres irgendwie über die Runden kommt. Die an allen Orten überhöhten Preise in der Hauptsaison kommen nicht von ungefähr. Nach Ostern ist Las Terrenas wieder eine Art touristische Geisterstadt und die wenigen Gäste, die sich dann hierher verirren, fragen sich manchmal was sie hier eigentlich sollen. Derweil sonnen sich die erfolgreichen Geschäftemacher mit ihrem Profit woanders. Wer es nicht schafft, macht gezwungenermaßen zu und das alte Spiel beginnt von neuem. Exemplarisch sind die vielen "se vende" Schilder in den Schaufenstern und an den Gartenzäunen. Nur wenigen kommt es in den Sinn, das man gemeinsam daran arbeiten könnte, das ganze Jahr über hier kontinuierlich Gäste zu haben. Diejenigen, die auch in der Zwischen - oder Nebensaison einigermaßen erfolgreich sind, kann man an zwei Händen abzählen. Es sind die Einheimischen und Residenten, die den Laden in der Zwischensaison etwas in Schwung halten. Es ist dann die Zeit, neue Investoren zu suchen, die ihr Glück in der nächsten Runde herausfordern. Wie sagt Pedro de las Terrenas nicht zu unrecht - eigentlich müssten die Strassen von Las Terrenas vergoldet sein, denn soviel Geld, wie hier schon zum Fenster herausgeworfen wurde, gibt es selten an einem Ort. Aber trotzdem geht es immer weiter und trotzdem hat diese Region etwas Magisches, denn sonst würden nicht immer neue Gesichter auftauchen und in einer weiteren Runde ihr Glück versuchen. Eines ist trotz allem klar. Die dominikanische Republik und die Region Samana vereint den karibischen Traum und bietet vielen Menschen aus aller Welt eine perfekte Ferienkulisse. Außerdem gehen hier die Uhren nach wie vor etwas anders und fast täglich verliert hier so mancher Urlauber sein Herz an eine für ihn traumhafte Welt, weitab von Rushhour und Hektik. Dies wird sicher auch noch eine Weile so bleiben und darum wird es immer wieder heißen "bienvenidos en Las Terrenas"
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Gedanken bei einem nächtlichen Spaziergang durch Las Terrenas |
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