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eine fast alltägliche Geschichte |
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1. Teil - wie alles anfing... |
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Rechtzeitig zum Ende des heißen Sommers schaffte es Erwin gerade noch, in Düsseldorf in den Ferienflieger zu hüpfen. Ob geplante Flucht, ein unerfüllter Bubentraum, oder ob es ein kurzschlussartiger Tapetenwechsel war, spielt im Moment und an dieser einleitenden Stelle keine Rolle. Was zählte war, das Erwin in seinem Flieger sass und es kaum erwarten konnte, schon bald in Puerto Plata die Gangway wieder runter zu marschieren. Während des Flugs hatte er seine Kleidung gewechselt. Als er in Düsseldorf bei 11 °C und Nieselregen einstieg, trug er eine warme, gefütterte Lederjacke, lange Hosen und einen Pullover und nun, 8,5 Stunden später, saß er in leinen leichten Shorts, T Shirt und trendigen Sandalen auf seinem Platz und lauschte ungeduldig und voller Vorfreude der Stimme des Captains. Planmäßige Landung um 14.30 Uhr in Puerto Plata, Dominikanische Republik bei sonnig - heißem Wetter mit einer Temperatur von 31 °c Celsius im Schatten. Erwin hatte sich ein drei Wochen gültiges Retourticket besorgt und nur den Flug gebucht; zum vierten Mal auf seiner Lieblingsinsel. Zuvor war er zweimal mit Ehefrau Susanne in einem All Inklusive Ressort, einmal davon in Bavaro, Punta Cana und das andere mal an der Nordküste in Cabarete. Seine letzten Ferien vor knapp vier Monaten verbrachte er gemeinsam mit zwei Freunden individuell auf der Halbinsel Samana in Las Terrenas. Seither war er vom karibischen Lebensgefühl restlos infiziert und träumte selbst tagsüber während seiner Arbeit im Büro von Palmen, Sand und Janeli. Ja, Erwin hatte sich Hals über Kopf in eine einheimische, junge Frau verliebt! Janeli, so hieß die Angebetete und nun wollte er sie überraschen und war schon ganz nervös, wenn er an das baldige Wiedersehen dachte. Sie hatten in den vergangenen 3 Monaten fast täglich miteinander telefoniert, zuletzt noch gestern. Das war anfangs, wegen seiner minimalen Spanischkenntnisse, gar nicht so einfach. Sein letzter Aufenthalt in der kleinen Pension an der Playa Poppy hatte sich so völlig von den ersten Urlaubsaufenthalten in den großen all inklusive Ressorts unterschieden. Bis er eines Abends Janeli kennen lernte, war er Tag und Nacht mit seinen beiden Freunden unterwegs. Von dem Moment, als er sie zum ersten mal sah, wurde alles anders. Die beiden verstanden sich auf anhieb. Seitdem war Erwin überzeugt, sein neues Glück gefunden zu haben. Janeli ist 15 Jahre jünger als Erwin, der gerade seine Scheidung hinter sich hatte und in diesem Jahr 36 Jahre alt wurde. Zuerst durch die Trennung und danach wegen der Scheidung hatte er keine einfache Zeit hinter sich. Janeli gefiel ihm vom ersten Moment an, als sie damals mit zwei Freundinnen so völlig aus dem dunkel der Nacht aufgetaucht war. Es war Wochenende gewesen und man sass gegenüber der Dorfdisco auf Plastikstühlen und trank grosse Flaschen Presidente. Der Abend war schon etwas fortgeschritten und es wimmelte nur so von Menschen, die kamen oder gingen. Die an und abfahrenden Mopeds sorgten für einen infernalischen Lärm, den der Barbesitzer mit seiner Musikanlage toppen wollte. Ja und da stand plötzlich dieses Mädchen - wilde naturbelassenen Haare, welche durch ein Tuch nur notdürftig gebändigt werden konnten und ein Blick aus schwarzen Augen mit Grübchen und Lachfalten. Sie schien sich mit ihren beiden Begleiterinnen zu beraten, ob man hier bleiben sollte und Erwin nahm sich ein Herz und sprach sie einfach an. Sie schaute ihn an, lächelte und setzt sich zu ihm. Das wars - für Erwin, denn es hatte ihn erwischt. Sie war lustig, gutaussehend und völlig unkompliziert. Sie lachte oft und manchmal aus ihm völlig unverständlichen Situationen heraus. War er wirklich so ein witziger Typ? .... Fast jeden Abend wollte sie mit ihm tanzen und da er einheimische Tänze wie Bachata oder Merengue noch nicht konnte, nahm sie sich jede Menge Zeit und hatte unendliche Geduld mit ihrem Gringo. Von Anfang an waren die Beiden praktisch Tag und Nacht zusammen. Erwin bereitete es grosse Freude, ihre schöne Kleider und schöne Dinge zu kaufen und es gefiel ihm, wenn sie sich vor ihm in ihren neuen Kleidern drehte und wendete, dabei lachte oder ihm verführerische Blicke zuwarf. Nie würde er ihren Blick vergessen, als sie in diesem sexy Bikini aus der Umkleidekabine auf ihn zutänzelte. Diese beiden Stückchen Stoff offenbarten mehr, als sie verbargen konnten. So was hätte seine Ex im Leben nie angezogen - viel zu freizügig! Janeli dagegen sah mit ihrer Figur darin aus wie Miss Dominicana. Schon bald kannte man das verliebte Pärchen in allen Boutiquen und Restaurants von Las Terrenas. Erwin genoss jede Minute seiner neuen Freiheit und diese Frau war der Schlüssel zum Glück und dem völlig neuen Lebensgefühl. Als Janeli ihm ihr Haus in Hoyo de Cacao zeigte, in dem sie und ihr älterer Bruder Hector gemeinsam mit der Mutter lebte, wurde ihm klar, wie wenig sie und ihre Familie hatten. Es war eines dieser kleinen, bunten Holzhäuser ohne Fundament oder Bad. Die Küche befand sich hinter dem Haus und im Bananengarten stand das Plumpsklo. Gerade deshalb rührte ihn die Gastfreundschaft und Freundlichkeit ihrer Mutter ganz besonders. Er stellte fest, das diese Menschen trotz der Armut weit weniger unzufrieden waren, als die Menschen bei ihm zuhause in Deutschland. Er war stolz auf seine Eroberung. Seine beiden Freunde und Reisegenossen waren zwar nicht neidisch, aber er merkte schnell, das sie ihn verstohlen beobachteten und sich ihre Gedanken machten. Auch sie hatten öfters mal Begleiterinnen, aber die Beiden waren mehr für die Abwechslung. Zuhause in Köln hatten sie derzeit keine festen Freundinnen - aus Mangel an Zeit und Gelegenheit. Hier in Las Terrenas hatten sie darum von Anfang an vor, so richtig die Puppen tanzen zu lassen. Die beiden waren es auch, die ihn damals überredeten, mitzufliegen; damit er wieder mal auf andere Gedanken kommen würde. Nun, das war nun wirklich gelungen! Der Abschied von Las Terrenas und seiner Janeli zwei Wochen später war nicht leicht für ihn und Erwin versprach, so bald wie möglich wieder zu kommen. Vor der Abreise hatte er ihr noch ein Handy geschenkt, damit er sie jederzeit von Deutschland aus erreichen konnte. Wie ein kleines Kind hatte Janeli sich damals über das Telefon gefreut und es gleich all ihren Freundinnen gezeigt und vorgeführt. Cellular, wie man die nützlichen Plauderkisten im Spanischen nennt, sind in den letzten zwei Jahren auch auf der großen Antilleninsel zum Allgemeingut geworden - Nokia und Orange sei Dank. Dreimal hatte er ihr zwischenzeitlich etwas Geld per Western Union zukommen lassen. Für ihn waren es jeweils bescheidene Beträge gewesen - alles zusammen nur rund 800 € . Wenn er daran dachte, was er monatlich seiner Exfrau bezahlte, war das nicht mehr als Peanuts. Sie hatte sich schon damals so sehr einen kleinen Motorroller von Yamaha gewünscht. Zwei Wochen nach seiner Abreise hatte ihr Bruder Hector ihr ein Schnäppchen für 15.000 RD Pesos besorgt. Außerdem bekam ihre Mutter plötzlich gesundheitliche Probleme und musste dringend in Santo Domingo einen Spezialisten konsultieren. Die dadurch entstehenden Arztkosten von umgerechnet rund 250 € waren für Janeli ein echtes Problem, doch Erwin dachte nach dem Telefonat gar nicht weiter groß nach. Noch am selben Tag hatte sie das Geld für die arme Mutter. Erwin war sehr erleichtert, als ihm Janeli zwei Tage später sagte, das es der Mama schon wieder viel besser gehe und was für ein guter Mensch er doch sei. Sie lasse ihm ausrichten, wenn er das nächste Mal kommen würde, könne er gerne mit Janeli bei ihr unterkommen! Das war eine wirklich nette Geste der Mama, dachte er bei sich, aber er wollte sich beim nächsten Besuch doch lieber ein Appartement mit Klimaanlage suchen, wo sie gemeinsam und ungestört für sich sein könnten. Es wollte es auch nicht wieder in Las Terrenas wohnen, sondern irgend ein Häuschen an der etwas abgelegeneren und romantischeren Playa Bonita mieten. Mit einem gemieteten Quad oder einem Auto würden sie dann die Halbinsel Samana erkunden. All das hatte sich Erwin so oft vorgestellt und nun würde es schon bald genau so sein.... In den drei Monaten seit seiner Abreise hatte er sogar privat Spanischstunden genommen und hatte einige Fortschritte gemacht. Mit Susanne war er 14 Jahre verheiratet und die Beiden hatten es zu zwei Töchtern, einen Dalmatiner, eine Katze, einem fast bezahlen Eigenheim mit Garten und Doppelgarage in einem schicken Kölner Vorort gebracht; dazu gehörten ebenfalls 2 Autos ( davon ein Firmenwagen). Erwin hatte einen gutbezahlten Job als stellvertretender Betriebsleiter und Entwickler in einem Softwareunternehmen. Susanne arbeitete zu 70 % in der Stadtverwaltung von Köln und kümmerte sich all die Jahre um die wachsende Familie und das Haus; gemeinsam hatten sie so ein sehr gutes Einkommen und eigentlich hätten die beiden keine Sorgen gehabt. Im Lauf der 14 Ehejahre war für Erwin etwas wie eine wohltemperierte Routine entstanden. Man lebte gut nebeneinander. Die beiden Töchter und die liebe Gewohnheit war es, was die Familie problemlos zusammenhielt. Erwin ging in seinem Beruf auf und machte sich wenig Gedanken über sein Leben mit Susanne. Susanne aber hatte insgeheim schon eine ganze Weile ein heimliches Verhältnis mit Björn, welcher mit Ehefrau Angie seit Jahren zum engeren Freundeskreis der Beiden gehörte. Man hatte schon mehrmals gemeinsam Urlaub in der Toskana gemacht und Björns Tochter Marie war die beste Freundin von Erwins jüngerer Tochter. Das ging wieggesagt eine ganze Weile so, bis Angie ihn irgendwann vor einem Jahr um ein Gespräch unter 4 Augen bat. Er war danach wie vor den Kopf gestoßen. Sie heulte und faselte damals von Selbstmord. Er versuchte sie zu trösten und dann wurde sie plötzlich anhänglich. Das war aber überhaupt nicht sein Ding und ging entschieden zu weit. Nachdem das Verhältnis seiner Frau nun kein Geheimnis mehr war, hatte man sich nach wochenlangen Diskussionen unter 2 und 4 Augen trotzdem im guten trennen wollen - was anfangs auch ganz gut geklappt hatte. Trotzdem kam es zum vorrückenden Scheidungstermin immer mehr zu Misstönen und Spannungen zwischen den Beiden. Erwin machte es Susanne daraufhin dann doch nicht so leicht, wie sie es sich vorgestellt hatte. Trotz allem einigte man sich darauf, das sie das gemeinsame Haus bewohnen würde, mit dem Versprechen, ihren Liebhaber wegen der beiden Töchter dort nicht einziehen zu lassen. Björn hatte sich schon seit einer Weile ein kleines Appartement am Kölner Ring gemietet, den er hatte seinerseits herausgefunden, das seine Angie ebenfalls einen heimlichen Verehrer hatte. Auch sie lebte mit ihrer Tochter weiterhin in der alten, gemeinsamen Wohnung. Die beiden Mädchen, 11 & 14 Jahre alt, lebten also auch nach der Scheidung bei Susanne im Haus - weil dies so besser war. Das fanden damals auch die zuständigen Behörden. Erwin war in eine seiner Eigentumswohnungen in Köln gezogen. Praktisch für ihn, da die viel näher bei seiner Firma lag. Er stürzte sich in dieser Zeit noch mehr in seine Arbeit. Susanne wollte nach der Scheidung beruflich etwas kürzer treten, um mehr Zeit für ihre Töchter zu haben und Erwin hatte sich daraufhin natürlich bereiterklärt, ihr nicht nur das Haus zu überlassen, sondern ihr auch noch von sich aus monatlich eine angemessene Summe für den Lebensunterhalt und Lohnausfall beizusteuern. Da Erwin aus keiner armen Familie stammte, konnte er sich das durchaus leisten. Der vom Richter befundene Betrag erschien im zuwenig. Auseinandersetzungen hatte er schon sein Leben lang gehasst und ging ihnen, wenn immer möglich, aus dem Weg. Er hatte als weitere Einkunftsquelle ja noch zwei Eigentumswohnungen im Großraum Köln - Düsseldorf, die er ein wenige Jahre zuvor nach dem Tod seines Vaters geerbt hatte und mit den daraus resultierenden Mieteinamen konnte er auch weiterhin seinen gewohnten Lebensstandard halten und musste sich in keiner Weise einschränken. Er war ein Einzelkind aus gutem Hause, dabei aber immer ein bescheidener Mensch geblieben und er hatte nie viel Zeit oder das Verlangen, großartig auf den Putz zu hauen. So etwas schickte sich in den Kreisen der Familie nicht. Das hatte ihm sein Vater, ein angesehener Anwalt und aktives Mitglied der Union, immer wieder eingebläut. Er hatte früher genug Ärger mit seinem alten Herren gehabt, der ihm sein Leben lang nie verziehen hatte, nicht in seine Fußstapfen getreten zu sein. Auch die Heirat mit Susanne war dem Vater damals nicht Recht gewesen, der sich für seinen einzigen Sohn eine andere Partie vorgestellt hatte. Gott sei Dank hat er die Scheidung nicht mehr erlebt, denn konservativ, wie er sein Leben lang war, hätte er das als Schande für die Familie empfunden. Sein Vater hatte sich auch immer einen Enkel gewünscht, der dann eventuell mehr in seine Richtung geschlagen wäre, aber auch damit konnte Erwin ihm nicht dienen. Er würde es zwar nie zugeben, aber insgeheim atmete Erwin auf, als sein Vater von ihnen ging. Nach der Scheidung war er dann öfters mal mit seinen Kollegen und alten Freunden auf Tour gegangen. Nach all dem Stress brauchte er etwas, um sich abzulenken und zu bestätigen. Jahrelang hatte er an den für die Anderen üblichen Gelage in den Edelkneipen der Kölner Altstadt nicht mehr teilgenommen. Die alten Freunde nahmen ihn jedoch wie einen verlorenen Sohn wieder auf und irgendwann an einer Theke kam man auch auf die Idee zu einem gemeinsamen Trip in die Domrep. Als er seinen Freunden erzählte, das er das Land auch kenne und schon zweimal mit seiner Exfrau dort war, lächelten die nur müde. Punta Cana - all Inklusive - das war ja eher was für Weicheier oder Warmduscher. Ob er schon mal was von Boca Chica oder Sosua gehört habe. Cabarete ging ja gerade noch aber der neue Geheimtipp sei Samana. So kam es zu jenem Urlaub.... Nun befand sich sein Flieger im Landeanflug und er fieberte dem Moment entgegen, aus dem klimatisierten Flugzeug zu treten und den obligaten Hitzeschwall auf seiner Haut zu spüren - dies war jedes Mal sein Schlüsselerlebnis gewesen, welches ihm den Beginn des Urlaubs so richtig bewusst werden ließ. Das ganze Prozedere beim Auschecken war schon eine fast liebgewonnen Routine und schon bald würde er die Welcome - Band passieren und die hübschen Dominikanerinnen, welche einem bei der Einreise fotografierten. Nur noch wenige Minuten.... Keiner wusste von seiner Ankunft. Noch vor wenigen Tagen hätte er es sich selber nicht vorstellen können, so schnell schon wieder dem Alltag zu entkommen. Doch da hatte er im Internet dieses Superangebot gesehen und einfach mal pro Forma angefragt, ob noch ein Flug frei sei. Als er dann am nächsten Morgen seinen Computer im Büro einschaltete um seine Mails abzurufen, war da als Erstes die Mitteilung, das noch Plätze für sagenhafte 650 € hin & zurück zu haben seien. Erwin hatte noch jede Menge Überstunden und Freitage abzufeiern. Durch die Scheidung hatte er sich viele Monate noch mehr in die Arbeit gestürzt, was ihm damals geholfen hatte, besser klar zu kommen. Erwin hatte schon immer ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Boss. Die Beiden arbeiteten von Anfang an zusammen und hatten die Firma über Jahre gemeinsam aufgebaut. Sein Vater zeigte ihm damals die kalte Schulter und gab ihm keine müde Mark, als er mit ihm darüber sprach, gemeinsam mit einem Studienkollegen eine Softwarefirma zu gründen. Neumodisches Zeug, hieß es damals. So was habe keine Zukunft. Alleine das Informatikstudium war schon ein Affront. Statt sich für die Juristik zu interessieren bastelte Erwin als Teenager lieber in seinem Keller an elektronischen Kisten herum. Überhaupt gab der Vater dem Freund von Erwin die Schuld, denn der war noch fanatischer und weltfremder. Manchmal kamen die Jungs tagelang nicht aus dem Keller; immer am basteln und tüfteln. Auf der Uni waren sie ebenfalls immer zusammengehangen und als sie dann auch noch das Studium abgebrochen hatten, um eine gemeinsame Firma zu gründen, hatte der alte Herr endgültig genug. Sein Sohn war offensichtlich ein Versager. Nach dem großen Krach hatte Erwin über ein Jahr lang kein Wort mehr mit seinem Vater gesprochen. Er lieh sich Geld, aber es reichte nirgendwo hin. Sein Freund, der ebenfalls aus keiner unbetuchten Familie stammte, nahm dann das Zepter in die Hand und trieb die nötigen Mittel auf. Erwin blieb an seiner Seite und tüftelte weiter. Irgendwann stellte sich dann doch der Erfolg ein und das machte ihn froh und dankbar. Die Firma wuchs und er tat sich am Anfang schwer, mit neuen Mitarbeitern zusammen zu arbeiten. Doch mit der Zeit wurde auch das normal und wurde zur Routine. Als dann vor zwei Jahren der Boom plötzlich einbrach, verstand er die Welt nicht mehr. Man zog die Konsequenzen, entließ einen Teil der Leute und konzentrierte sich auf bestehende Werte und die alte Freundschaft. Von Anfang an hatten Erwin und sein Freund einmal die Woche gemeinsam Squash gespielt. Dies war so seit ihrer Studienzeit. Dabei erwähnte er beiläufig, das er nach all den Jahren doch gerne mal eine Auszeit nehmen würde. Das war seit dem Einbruch kein sonderlich großes Problem und sein Freund hatte ihn oft genug aufgefordert, mal etwas kürzer zu treten und auch mal an sich selber zu denken. Als er vom letzten Urlaub zurückkehrte, hatte er gleich gemerkt, das Erwin irgendwie verwandelt war. So locker, ja fast verwegen hatte er ihn selbst in der Studienzeit nie erlebt und an einem Donnerstag nach dem Squash besuchten die Beiden dann auf Erwins Wunsch noch gemeinsam ein Lokal in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs. Dort verkehrten hauptsächlich Dominikanerinnen und er wunderte sich, wie Erwin mit diesen zugegebenermaßen recht verlockenden Frauenzimmern umging. Er tanzte und flirtete mit ihnen und verstand es geschickt, sein weniges Urlaubsspanisch anzuwenden. Damals gestand Erwin nach mehreren Cuba Libre, das er auf Samana eine junge Frau kennen gelernt hatte. Sogar ein Foto hatte er von ihr in der Tasche und Dieter gab anerkennend zu, das so was Hübsches und Exotisches im Raum Köln in ihren Kreisen schwerlich zu finden sein würde. Erwin erzählte an jenem Abend viel von seinen Erlebnissen und Dieter, auch verheiratet und ebenfalls zwei Kinder, konnte ihn gut verstehen. Er solle die Gelegenheit beim Schopf packen und dann sagte er noch: "Wenn du willst, kannst du ruhig auch ein paar Wochen verlängern, unbezahlt versteht sich - du weist ja, wie die Lage im Moment ist. Deinen Job hast du trotzdem sicher, keine Frage! Schließlich sind wir Freunde, oder!" Erwin war heilfroh über das Gespräch und studierte seitdem die Flugbörsen im Internet. Das er so schnell fündig werden sollte, überraschte ihn selber. So orderte er nach kurzer Rücksprache das Ticket und wollte dann einfach alles auf sich zukommen lassen. Er legte sich noch nicht fest. Sein Ticket konnte er jederzeit gegen einen Aufpreis verlängern lassen.... so weit - so gut! Checkout,
Gepäckausgabe und den Zoll hatte er bereits hinter sich und stand
nun vor dem Flughafengebäude. Die Luft flirrte und es ging zu wie
in einem Bienenstock. Überall Musik und Geschnatter, Menschen die
sich um den Hals fielen, Begrüßungs - Szenen; es herrschte
eine unsägliche Geräuschkulisse und er stand mittendrin. War
das nicht wunderbar? Er hielt Ausschau nach dem Taxistand, was er sich
eigentlich hätte sparen können, denn schon grinste ihn ein Dominikaner
breit an, der sich in der sich verlaufenden Menge vor ihm aufgebaut hatte.
"Taxi Senior?" Las Terrenas, im November 2003
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Die neue Story von Bernd wird in unregelmässigen Abständen fortgesetz und falls sie euch bis jetzt gefallen hat und ihr Erwin & Janelis Abenteuer weiterverfolgen wollt, könnt ihr im Forum nachlesen, wenn es was neues zu lesen gibt.
Im übrigen ist die Geschichte natürlich frei erfunden.
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