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Alte Liebe rostet nicht |
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Eine
Betrachtung über das Leben auf Samana
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| Das Problem
begann, als ich das erste mal mit dem Taxi über den Pass von Sanchez
her kam. Es war einfach unbeschreiblich! Solch einen atemberaubenden Blick
auf den Atlantik wie der Ausblick in Los Fuentes hatte ich nicht erwartet.
Der sich tief unten weit ausbreitende, blaue Ozean, die schier endlosen
Palmenwälder wohin man auch das Auge wand, die eierschachtelförmigen
Hügel um mich herum, all die bunten Holzhütten und das beständige
Summen von Insekten in der Luft wirkten hier zusammen und es war um mich
geschehen. Damals ahnte ich das zwar noch nicht aber heute ist mir bewusst,
warum ich derzeit um nichts in der Welt woanders leben möchte. Es war
der Beginn einer echten Lovestory. Klar kamen da später poco a poco
noch andere Faktoren hinzu, aber auch nach den vergangenen 3 Jahren ist
meine Liebe zu Samana ungebrochen.
Immer neue Facetten eröffnen sich einem, wenn man hier lebt und wenn man die Augen offen hat und sich dabei seiner Umwelt bewusst bleibt. Samana ist ein unbeschreibliches Füllhorn von Eindrücken, egal aus welcher Warte man diese Gegend erlebt. Die Menschen sind mir wichtig, der karibische Beat, der einem ständig begleitet und das Lachen in den Gesichtern der Menschen. Kennen sie Menschen die immer lächeln - in Mitteleuropa wäre das unvorstellbar. Dort würde ein solcher Mensch als nicht ganz normal bezeichnet werden, denn es gibt dort keinen Grund, dauernd zu lächeln - dort schaut man eher wie eine entsicherte Maschinenpistole. Das man von lächelnden Menschen, die man nicht kennt, wie selbstverständlich unterwegs auf der Strasse mit einem Hola begrüßt wird, ist hier normal - in der alten Welt würde man denken, was will dieser Mensch von mir. Setzen sie sich in München oder Zürich in einem Straßencafé zu fremden Menschen und beginnen sie aus heiterem Himmel ein Gespräch - man wird sie zumindest misstrauisch beäugen. Hier ist das normal. Und nicht nur, dass sie hier willkommen sein werden, man wird ihnen auch einen Schluck Rum oder Bier aus der Flasche anbieten, die gerade auf dem Tisch steht. Man wird sie fragen, woher sie kommen und ob sie Tourist sind und vor allem wird man von ihnen wissen wollen, wie es ihnen gefällt. Nun drehen sie diese Situation einfach mal um - ein schwarzer Mann quatscht sie in ihrer Stammkneipe in einer fremden Sprache an und tut so, als wäre das die normalste Situation der Welt...... Sie sehen eine schöne Frau mit ihrer Pasola an sich vorbeifahren und bekommen dabei von ihr ein breites Lächeln geschenkt - na wie wäre das auf der Königsallee. Es würde sicher einen Auffahrunfall auslösen. Wenn sie dann dem Polizisten erklären müssten, wie das denn passieren konnte, würde er sie sicher gleich wegen Irreführung der Polizei zu einem zusätzlichen Bußgeld verdonnern, denn so was gibt's ja gar nicht. Der Dominikanische Beat ist allgegenwärtig, denn egal wo man ist - überall scheppert oder dröhnt einem der Bachata oder Merenge aus allem Möglichen entgegen. Es gibt keine ruhige Ecke, denn wo Dominikaner leben, da ist Musik. Außerdem ist die Musik immer laut. Und es gibt auch keine Tages - oder Nachtzeit, wo die Gunst der Minute nicht genutzt wird um spontan ein Tänzchen zu wagen. Dies ist weder alters - noch geschlechtsbedingt. Man tanzt - also ist man; so einfach ist das. Des weiteren gibt es eigentlich keinen musikalischen Generationen - Konflikt. Ob jung oder alt - erbarmungslos wird der angesagte Hit auf allen Anlagen, Autoradios, Sendern und aus allen Hütten, Terazas, Colmados, Comedores, Werkstätten, Discos zu jeder Tageszeit abgenudelt. Man kann sich dem nicht entziehen - es sei denn, man ist taub. Nicht, das Dominikaner auch andere Musik akzeptieren - für 10 Minuten ist das sicher kein Problem aber spätestens dann ist wieder Antonio Vargas oder Anthony Santos oder Aventura an der Reihe und die musikalische Welt ist wieder im Gleichgewicht. In Las Terrenas müssen selbst die Toten nicht auf die Musik verzichten, denn links und rechts vom ehrwürdigen, aber völlig verwahrlosten Friedhof befindet sich je eine Diskothek. Ein fester Bestandteil der Dominikanischen Lebensauffassung sind die Konsumation der drei großen B - gemeint sind die Produkte der Hersteller des dominikanischen Lebenselixiers, ohne das kein Mensch hier existieren könnte oder wollte. Die drei großen Destillerein Brugal, Barcelo und Bermudez gehören zum dominikanischen Alltag wie das Amen in der Kirche. Der Rum ist so allgegenwärtig wie die Musik und wenn man sich fragt, warum man diese spezielle Droge in Europa praktisch nicht zu kaufen bekommt, ist die Antwort so einfach wie logisch. Der meiste Rum wird hier im Lande von den Einheimischen getrunken. Es dürfte alles Mögliche passieren - die nationale Katastrophe jedoch wäre, wenn es keinen Rum zu kaufen gäbe. Das würde wohl eine landesweite Krise auslösen. Wenn der Strom tagelang ausfällt oder wenn es an der Tankstelle wie zur Zeit keinen Sprit gibt - alles kein Problem aber kein Rum - das wäre hier undenkbar! Die Landschaft von Samana ist intakt. Eine Mischung von anscheinendem Brachland, die bereits genannten nicht enden wollenden Palmenwälder, die endlosen Strände, der Gebirgsrücken, der die Halbinsel der Länge nach durchzieht, die Täler und zum Teil wilden Pisten, welche anscheinend im nirgendwo enden und die abgelegen Buchten machen Samana zu dem was es noch ist, einem Paradies für Menschen, die das ursprüngliche Leben lieben. Jemand, der aus der Großstadt kommt, würde hier wohl keine große Erfüllung finden, denn Samana wäre für ihn unbeschreiblich rückständig. Alles was ein normales, zivilisiertes Leben so angenehm macht ist hier Mangelware. Dafür muss man nicht hierher kommen. Wer aber wie ich die Wohlstandsgesellschaft mit ihren Errungenschaften satt hat, baut auf andere Werte. Hier lernt man das Leben neu und beschränkt sich freiwillig auf das Wesentliche. Aller Wohlstandsballast ist hier absolut überflüssig und schnell lernt man, getrost darauf zu verzichten. Es gibt so viele Dinge, die hier absolut überflüssig sind. Dies gilt für alle Bereiche des Lebens. Dafür erlernt man eine neue Einfachheit. Man hat hier zum Beispiel von der begehrtesten und rarsten Ware der Menschen in der Alten Welt im Überfluss - gemeint ist die Zeit. Ein Terminkalender ist hier etwas Exotisches, für mich heute völlig Überflüssiges. Wenn ich daran denke, wie ich früher der Sklave meines Timesystems war, dann lächle ich heute über mich. Wenn ich daran denke, wie verbissen ich war, meist gestresst und wie wenig Zeit ich früher zum Leben hatte, komme ich mir heute wie ein neuer Mensch vor. Was nützt einem alles Geld der Welt, wenn man keine Zeit hat. Hier bestimmt der Sonnenstand mein tun. Es ist bei weitem nicht so, das hier alle faul an der Playa liegen und den Herrgott einen guten Mann sein lassen. Auch hier arbeiten die Menschen hart, aber sie tun es mit einem Lächeln und sie haben immer Zeit füreinander. Das füreinander ist hier etwas vom Wichtigsten und Elementarsten. Leider haben das viele der hier lebenden Ausländer nicht begriffen. Wenn man sich aber die Dominikaner ansieht, merkt man was es bedeutet. Geld ist nie viel vorhanden, aber man hat die Familie und die Freunde und darum klappt auch das einfache Leben der meisten Menschen hier besser als das von Terminen und Pflichten geprägte Leben in der ersten Welt. Trotz der Armut hat hier keiner Hunger und wenn man bei Dominikanern zu Gast ist, steht einfach ein Stuhl mehr am Tisch. Das ist bei diesen Menschen so etwas Selbstverständliches - darüber redet man gar nicht. Menschlichkeit hat hier einen anderen Stellenwert. Wenn man sich nicht absolut danebenbenimmt, hat man hier selten irgendwelche Probleme. Das Wort Toleranz ist hier kein Modebegriff sondern wird tagtäglich praktiziert. Intolerant sind leider oftmals die Ausländer. Die sind es auch, die hier schlechte Sitten einführen und dafür verantwortlich sind, wenn sich die Gesellschaft langsam auch hier verändert. Neid und Missgunst sind bei den einfachen Menschen eher selten aber auch diese Dinge nehmen zu und das ist der Lauf der Dinge. Trotzdem ist das Leben miteinander noch intakt. Mit dazu bei trägt wohl die praktizierte Religiosität , denn die Menschen auf dem Lande haben noch ein inniges Verhältnis zu ihrer jeweiligen Kirche. Wenn man bedenkt, das es in Las Terrenas über 20 Gotteshäuser gibt, welche allesamt gut besucht werden, spricht das für sich. Diese Liebeserklärung mag für manchen zu schön klingen und es gibt natürlich auch hier wie überall einige Schattenseiten. Ich möchte jedoch an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, denn der Grundtenor meines Lebens auf Samana ist positiv und mit den Problemen kommt man auch irgendwie immer klar. Man muss es einfach nur wollen. Der Artikel bezieht sich auch mehr auf das Leben mit den Dominikanern. Etwas völlig anderes ist das nebeneinander leben der Residenten - oder sollte man es aneinander vorbei leben nennen. Diese Probleme kann man ja zuhauf im Forum nachlesen und da geht es öfter mit harten Bandagen zur Sache. Wenn es für mich einen Grund gäbe, von hier wegzugehen, dann sicher wegen der zum Teil haarsträubenden Machenschaften der hier lebenden Ausländer, ob sie nun aus Cuba kommen oder von sonst wo. Diejenigen Residenten, die mit dem Leben hier nicht mehr klarkommen, haben ja meist die Möglichkeit, wieder in ihre alte Heimat zurück zu kehren. Ob es dann dort einfacher für sie ist, steht auf einem anderen Blatt Papier. Ich glaube aber, das viele Residenten, die schon lange hier leben, im Grossen und Ganzen meiner Meinung sind.
Las
Terrenas, den 26.03.2003 |
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