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eine fast alltägliche Geschichte |
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Hintergrundinfo zur Story |
| Sexualität
hat hier in der Dominikanischen Republik einen anderen Stellenwert. Es wäre
jedoch spekulativ zu behaupten, das es aus europäischer Sicht hier
in der Karibik prinzipiell lockerer zugeht oder das hier gar eine andere
Moral vorherrscht. Das ganze Gefüge funktioniert anders. Man kann sich
Folgendes vorstellen. Die sexuelle Revolution in der westlichen, ersten
Welt, welche in Diskussionen und Gesprächsrunden oft als befreiend
bezeichnet wurde und wird, mag zwar dazu beigetragen haben, das sich heute
die Bürger der ersten Welt als aufgeklärt bezeichnen können,
freier und lustvoller geht es in der Regel in Europa jedoch nicht zu.
Man wird in Europa in den Medien wie selbstverständlich mit Sex bombardiert und täglich konfrontiert, das es einem schon als Selbstverständlichkeit vorkommt. Trotzdem gibt es sehr viele Menschen, die noch immer nicht (oder nicht mehr) damit umgehen können. Man hat seit den 70'er Jahren vieles ausprobiert, mag technisch weit sein. Trotzdem ist ein Grossteil der Menschen heute sexuell frustriert oder enttäuscht. Die große Freiheit findet in den Medien statt - nicht in den Köpfen der Leute. Sex ist bei den einen zu einer Art privatem Leistungssport verkommen, man werfe mal einen Blick in die angesagten Swingerclubs. Normalos können da nicht mithalten, denn das, was einem dort serviert wird, ist nichts anders als eine abgefahrene Soap, eine Lifeshow, die mit der Realität zu Hause wenig zu tun hat. Sex hat heute viel mit Lifestyle und Kult zu tun. Doch nicht jede Frau hat Modelmasse wie die Frauen in den Pornofilmen und Videos, den Sexshows der freien Sender oder wie auf den Fotos in den Zeitungen. Nicht jeder Mann ist ein potenter Adonis der allzeit bereit ist und immer kann. Mittelchen gegen sexuelle Problemzonen und Mäkel sind dadurch das ganz große Geschäft geworden, die Ware Körper ist Kultobjekt und ein feste Einnahmequelle für Großhändler, Apotheker, Psychologen und Analytiker geworden. Die Letzteren haben seit Jahren volle Terminkalender. Viele Menschen fallen trotzdem durch das Raster der Erfüllten und Analysierten sehen sich selber eher bewusst oder unbemerkt im Abseits. Die sexuelle Befreiung und die Emanzipation haben alte, vermeintlich abgegriffene Werte wie Familie und Familienplanung immer mehr verdrängt und einen neuen Egoismus kreiert - die finanzielle Freiheit, der berufliche Erfolg und ein freies Leben stehen heute im Vordergrund. Immer mehr Menschen leben als Singles alleine oder gemeinsam und haben sich diesen neuen Werten voll und ganz verschrieben. Ein erfülltes, normales Sexleben aber ist speziell in diesen Kreisen oftmals reines Wunschdenken. Fast alle wüssten zwar wie es geht - fast keiner aber tut's - geflunkert wird viel - "Sex in the City" ist reine Soap! So mancher Zeitgenosse hat aus der Not eine vermeintliche Tugend gemacht und jettet darum in seinem Urlaub alleine oder mit seinen Freunden nach Asien oder eben in die dominikanische Republik um "doch mal so richtig auf seine Kosten zu kommen"! Denn hier gibt es Exotisches zum Schnäppchenpreis. Die Exotik hat jedoch zwei Seiten - je nach dem, von welcher Seite man es betrachtet. Auch in der dominikanischen Republik gibt es eine rudimentäre Aufklärung, aber die sexuelle Revolution hat hier nie stattgefunden. Es besteht jedoch ein großer Unterschied zwischen den verschiedenen Klassen in diesem Land oder der Herkunft des Einzelnen. Menschen aus den Ballungsgebieten wie Santo Domingo oder Santiago, die über ein gewisses Grundeinkommen verfügen, kann man durchaus als aufgeklärt bezeichnen. Die Menschen aus den ländlichen Regionen leben zum Teil noch sehr traditionell und die Kirchen tun ihren Teil dazu, dass moderne Aufklärung in allen Belangen eher Wunschvorstellung bleiben. Dies führt dazu, das man eher an den alten Werten klebt und das Wort Machismo erhält dadurch einen ganz besonderen Stellenwert. Durch die Armut, das nahe Beieinanderleben und die fehlende Aufklärung ist Sexualität Teil des täglichen, normalen Lebens. Hier leben bis zu 30 Personen in einem Clan auf engstem Raum miteinander. Über Sex wird nicht groß nachgedacht, sondern man praktiziert ihn und oftmals bekommt das die Familie einfach mit, weil man keine Möglichkeit hat, sich ungestört zu vergnügen. Somit ist Sex schon für Kinder ein unvermeidlicher Bestandteil des täglichen Lebens. Sexuelle Anspielungen sind zum Beispiel ein fester Bestandteil der Texte in vielen populären Musiktiteln. Man geht schon verbal sexuell anders miteinander um. Keiner denkt sich da etwas Schlimmes dabei. Die Frauen in diesem Land haben im Gegensatz zur Emanzipation ein körperliches Selbstbewusstsein entwickelt, welches als ein Resultat des Machismo bezeichnet werden kann. "Frauen müssen sexy sein..." - schön ist darum, was man hat oder aus sich macht. Ein paar Pfunde zuviel ist kein Makel, zu wenige auch keine große Schande, solange Frau es versteht, nicht mit den Reizen zu Geizen. Selbst in gehobeneren Kreisen sind Frauen ganz klar als solche zu erkennen und wissen sich in Szene zu setzen. Auch hier gilt - Flirten ist ein Volkssport wie das Tanzen. Die Musik ist hier ein allgegenwärtiges Mittel zum Zweck. Wer einmal auf einer typischen, alltäglichen Tanzveranstaltung war, weiß, wovon die Rede ist. Frauen müssen gefallen oder sie sind die Muttertiere, die sich um Familie oder Nachwuchs zu kümmern haben und natürlich zu Hause bleiben - und sich mit Vorliebe ihre Telenovelas anschauen, wo ihnen vorgelebt wird, wie das Leben funktioniert. Es ist ein ewiger Kreislauf. Die Folgen all des munteren Treibens tragen hier zum grossteil die Frauen. Diese sind jedoch meist nicht unglücklich - hier gelten einfach noch die archaischen Regeln von Heim, Herd und geschlechtlicher Rollenverteilung. Nur das der Ernährer hier weit mehr Freiheiten genießt, als die braven Familienväter der Neuen Welt. So war es schon immer und so wird es trotz TV und dank der Novelas und dem im Fernsehen vorgespieltem westlichen Einfluss auch noch lange so bleiben. Die Herren Dominikaner geben das Heft sicher nicht freiwillig so schnell aus der Hand. Dies gilt für viele Länder in Lateinamerika. Auch dies mag ein Grund sein, warum sich speziell männliche Sextouristen hier so wohl fühlen. Es ist durchaus gang und gebe, das der dominikanische Mann neben seiner Frau noch eine oder mehrere Novias hat. Eine Novia ist oftmals bei weitem keine einfache Geliebte, sondern ein Teil seines Lebens. Sie gibt ihm das, was ihm zum glücklichen Macho fehlt und viele Ehefrauen wissen oder ahnen, das es da noch jemand anderen gibt. Da das Leben aber in dieser Konstellation am problemlosesten funktioniert und der Lebensunterhalt im Zweifelsfalle nicht vom Sozialamt übernommen wird, besteht oftmals ein stillschweigendes Abkommen. Am schlimmsten für das Ansehen einer Familie wäre ein Skandal. So wird die Novia regelmäßig und diskret besucht, ausgeführt, zum großen Teil auch mitfinanziert und ist Teil diese Gefüges, welches Mann das gibt, was Frau ihm nicht mehr bieten kann oder will. Je reicher oder einflussreicher ein Mann ist, um so aufwendiger werden seine "Abenteuer". Ein ganzer Geschäftszweig hat sich auf diese speziellen Bedürfnisse spezialisiert und lebt bestens von den amourösen Abenteuern der Herren Dominikaner. Wer z.B. einmal eine der verschwiegenen, aber höchst luxuriösen Etablissements an den Stadträndern der Ballungsgebiete besichtigt hat, weiß, wovon die Rede ist und wer in diesem Land sein Auto waschen lässt, weiß wie angenehm einem diese Dienstleistung in manchen Waschanlagen gemacht werden kann. Dienstleistung wird hier großgeschrieben - da könnte man sich in Europa noch manche Scheibe abschreiben... wenn's denn Möglich wäre! Familienplanung ist auf dem Campo ein Fremdwort. Mit 15 Jahren werden die Mädchen hier mit einer aufwendigen Feier vom Erzeuger in das Erwachsenenleben entlassen. Die Mädchen auf dem Campo wissen meist nichts über Geburtenkontrolle, weil auch ihre Mütter nie aufgeklärt wurden. Darum ist es fast schon selbstverständlich, das diese Kinder mit 13 oder 14 Jahren bereits selber schwanger werden und oftmals mit 17 oder 18 auf zwei oder drei Kinder gebracht haben. Selten sind diese von einem Vater und meist hat dieser sich zwischenzeitlich anderen Objekten der Begierde zugewandt. Unterhalt ist etwas, was selten zu erwarten ist und diese jungen Frauen sind dann auch noch meist völlig auf sich gestellt, denn die Familie hat noch viele andere Münder zu stopfen und Papa hat nebst der Gattin und deren Nachwuchs oftmals noch Nebenfamilien zu versorgen. Es gibt zwar auch in diesem Land Gesetzt, aber wo keine Klägerin, da kein Richter. Von da an ist der Wechsel zur gewerblichen Prostitution nur noch ein kleiner Schritt - was bleibt den jungen Frauen oft anderes übrig. Minimale Schulbildung, ohne Beruf, dafür aber mit der Verantwortung für ihre Kinder, ist die Verlockung der armen Frauen nach dem schnellen Geld oft einfach zu groß. Das Wort Armut kann man in diesem Sinne sehen - denn es geht um das Überleben der Kinder. Diese landen dann oftmals gegen Kost und Logis bei der Schwester, einer Freundin oder einer Cousine. So kommt diese zu einem Zuschuss zum eigenen, meist beschränkten Haushaltsgeld. Höchst selten werden die Kinder bei der leiblichen Mutter, welche mit einer Puta ( Prostituierte) nichts zu tun haben will, untergebracht. Katholizismus und der sogenannte gute Ruf im Pueblo verbieten es der Mutter, ihre auf Abwege geratene Tochter zu unterstützen. Die Vätern der Kinder haben sich meist vom Campo verabschiedet und suchen ihr Glück in größeren Orten oder in den Ballungsräumen. Oft leben diese dort unter miesesten Bedingungen, würden es aber nie zugeben, denn das schlimmste, was einem Dominikaner passieren kann, ist, sein Gesicht zu verlieren. Diese jungen Frauen gehen dann an einen Ort wie z. B. Las Terrenas und verkaufen sich mehr oder weniger gut an zahlungswillige Dominikaner und natürlich noch lieber an Touristen und am liebsten an reiche Europäer. Alle sind auf der Suche nach dem Mann fürs Leben, der sie und ihre kleine Familie als Novia unterstützt oder gar zu sich nimmt. Diese Träume sind jedoch schnell ausgeträumt und die Konkurrenz in den Orten ist meist groß, denn es gibt unzählige Frauen, die den gleichen Wunsch hegen oder die selben Probleme haben. So ziehen die Frauen durch das ganze Land von Ort zu Ort und suchen ihr Glück. Oft bleiben sie nur ein bis zwei Wochen und kommen bei einer Freundin oder Bekannten unter. Auch hier hat sich wiederum ein eigener Geschäftszweig entwickelt, welcher sich um diese namenlosen Wanderarbeiterinnen kümmert - man vermietet zu überteuerten Preisen verwahrloste Unterkünfte und Verschläge an die Frauen oder engagiert sie gleich selber in einem der vielen versteckten Etablissements, die offiziell als Cafeteria oder Kiosco, Disco Teraza oder Bar getarnt werden und meist von geschäftstüchtigen Dominikanern oder ehemaligen Prostituierten geführt werden. Dazu kommen die richtigen Discothecas und die Etablissements der weißen Ausländer, die sehr beliebt sind, weil man hier am ehesten den Märchenprinzen für eine Nacht oder das Leben findet. Man lebt zu zweit oder mit seinen Freundinnen in diesen Gettos und teilt oftmals solidarisch gemachte Erfahrungen oder Kleidung, vermittelt die andere an zahlungskräftige Freier oder hütet auch mal das Kind der Freundin. Das diese jungen Frauen diesen Job meist nicht mögen und irgendwann die Freier und speziell die Gringos verachten, ist klar. Dazu kommt das Milieu und alles, was damit zusammen hängt, wie Drogen und Zuhälterei, AIDS, Kindesmissbrauch, ein Leben von der Hand in den Mund, Repressionen der Polizei und der Tourismuspolizei und Beschaffungs- - Kriminalität. Nur wenige der jungen Putas können damit umgehen und viele bleiben auf der Strecke, landen in billigen Clubs oder Bordellen oder noch schlimmer, werden von skrupellosen Zuhältern mit abstrusen Versprechungen nach Europa gelockt um dort in völlig ungewohnter Umgebung und isoliert vor die Hunde zu gehen. Die fehlende Bildung und die Naivität sind in diesem Umfeld das schlimmste für die Frauen. Wären sie in ihrem Pueblo geblieben, hätten sie auch wenig Chancen, denn der Macho - ob jung oder alt, steht nicht auf Occasionen. Einige finden tatsächlich ihren Mann und wenn dieser es versteht, auf seine Frau einzugehen und ihre Mentalität und das fehlende Wissen in Kauf nimmt, kann eine Dominikanerin durchaus die Frau fürs Leben sein. Sehr oft enden solche Inselträume aber im Desaster - meist wegen der mentalen Differenzen. Es ist immer für denjenigen schwerer, der seine Heimat verlässt. Viele der zivilisierten Errungenschaften sind für eine Dominikanerin vom Campo einfach nicht nachvollziehbar. Dies wird oft bei allem guten Willen nicht verstanden. Wer es wirklich ehrlich mit seiner Dominikanischen Braut meint, sollte eine ganze Weile mit ihr in ihrer gewohnten Umgebung leben. Nur dann kann er begreifen, wie seine Traumfrau denkt und fühlt, agiert und reagiert. Für die meisten ist dies aber schlicht undenkbar, denn er glaubt ja, ihr etwas Gutes zu tun... glauben ist nicht wissen! Die Dominikanische Republik ist heute weltweit eines der Länder mit den meisten Sextouristen und ist nach Asien im karibischen Raum die Nr. 1 - noch vor Cuba. Regierung und Behörden schließen die Augen vor den daraus resultierenden Problemen, veranstalten lapidarische AIDS Aufklärungskampagnen und frönen weiter dem Machismo und der Korruption. Es ist oftmals erschreckend, wenn man sieht, wie die Polizei beide Augen zudrückt oder selber in das Geschäft mit den jungen Frauen verwickelt ist. Eine sichere Einnahmequelle ist es allemal. Noch schlechter gestellt sind die meist illegalen Frauen aus Haiti. Trotzdem sieht man immer mehr junge Haitianerinnen auf der Strasse, die diesen Sumpf ihren noch schlechteren Lebensbedingungen im Heimatland vorziehen und so bewusst Risiken eingehen, von denen man sich in Europa keine Vorstellungen macht. Eine Puta bekommt der Sextourist heute, bedingt durch den günstigen Wechselkurs, unter 10 € und durch den Kurs wird das Land für diese Art von Touristen immer mehr zum Eldorado. Wenn man bedenkt, das heute eine Dose Milchpulver oder eine Tüte Pampers auch 10 € kosten, ist dies beschämend - die Tendenz der Preise ist steigend. Diese Frauen haben keine Lobby - das würde der Machismo nie zulassen!
Las Terrenas im Januar 2004
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Dies ist etwas Hintergrundinfo zur Lage vieler Frauen in diesem Lande, die auf der Strasse leben und für die Story Fernweh und deren Personen, die zum Teil aus jenem Milieu stammen, aber direkt nichts mit realen Personen zu tun haben. Demnächst wird eine Fortsetzung erscheinen. Die neue Story von Bernd wird in unregelmässigen Abständen fortgesetz und falls sie euch bis jetzt gefallen hat und ihr Erwin & Janelis Abenteuer weiterverfolgen wollt, könnt ihr im Forum nachlesen, wenn es was neues zu lesen gibt.
Im übrigen ist die Geschichte natürlich frei erfunden.
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