eine fast alltägliche Geschichte

 

Teil 2 - Janelis Jugendjahre

Janeli lebte seit ihrem 4 Lebensjahr in dem kleinen Dorf Hoyo de Cacao oberhalb von Las Terrenas. Ihre Mutter Mercedes stammte aus dem kleinen Küstenort La Sardina, der zwischen San Pedro de Macoris und La Romana auf der Karibischen Seite der dominikanischen Republik lag. Nur etwas über 5 Jahre war sie mit ihrem ersten Mann, einem Lehrer an der dortigen Schule, verheiratet gewesen.

Nach ihrem eigenen Schulabschluss arbeitete Mercedes bis zu ihrer Hochzeit in ihrem kleinen Heimatort als Kindergärtnerin. Nach der Eheschließung mit Jorge, den sie bereits seit ihrer frühen Jugend kannte und der aus einer alteingesessenen und angesehenen Familie aus der Umgebung von La Sardina, stammte, hegte sie einen alten Kindheitstraum, nämlich den, Lehrerin zu werden. Zunächst aber einmal kümmerte sie sich um den neuen, gemeinsamen Haushalt. Ihre Familie war zwar nie wohlhabend gewesen, hatte aber immer einen guten Ruf, worauf speziell ihr Vater immer großen Wert legte.

Mercedes Kindheitstraum war schon immer gewesen, einmal eine Lehrerin zu werden und dies lange, lange, bevor Jorge sie ins Auge gefasst hatte. Er verdiente damals mit seinen ganzen Nebeneinnahmen nicht schlecht und er hatte nichts gegen die Idee seiner Frau einzuwenden und so besuchte sie bereits ein Jahr nach Sohn Hectors Geburt während vier Abenden pro Woche ein Seminar zur Weiterbildung in Santo Domingo, wobei sie jeweils mit dem öffentlichen Bus hin und her pendelte. Immer eine Ihrer beiden älteren Schwestern schaute zwischenzeitlich zu dem kleinen Jungen, denn Lehrer Jorge war neben seinem Beruf auch kommunal sehr stark engagiert und hatte viele Sitzungen und Arbeitstreffen. Außerdem fungierte er als Funktionär in der örtlichen Gruppe der PRSC/ Partido Reformista Social Cristiano. Als Mercedes dann wieder schwanger war, studierte sie fleißig bis zu ihrer Entbindung weiter und brachte eine gesunde Tochter zur Welt, die den Namen Janeli erhielt. Alle hielten Mercedes und Jorge für eine glückliches Paar und auch Mercedes glaubte damals noch an ihr Glück.

Irgendwann in jener Zeit begann ihr Mann jedoch mehr und mehr, sich einer jüngeren, politisch stark engagierten Kollegin zuzuwenden. Anfangs war es sicher die gemeinsame politische Arbeit, was sich dann aber irgendwann ändern sollte. Sie hatte etwas, was ihm bei seiner hübschen Frau abging. Er hatte es nie verwunden, das Mercedes sich nicht sonderlich für die Politik interessierte und ihr somit ein Teil seiner Arbeit nichts sagte. Seine Kollegin hingegen bewunderte ihn, wie er seinen Präsidenten verehrte. Nachdem dann die heimliche Affäre ihres Mannes doch an das Licht kam, trennte sich Mercedes gegen den Willen ihrer Familie von ihm. Der Skandal machte seine Runde und Jorge wurde von Parteifreunden nahegelegt, sich zumindest für eine Zeit zu verändern. Er zog daraufhin mit seiner jungen Geliebten und späteren zweiten Frau nach San Christobal und fand durch seine Beziehungen schnell wieder Arbeit und Ansehen.

Mercedes dagegen war gerade 24 Jahre alt, hatte zwei kleine Kinder und war mit ihren zwar armen, aber konservativen Eltern heillos verstritten. Speziell ihr Vater nahm es ihr übel, das sie den erfolgversprechenden jungen Lehrer wegen der Affäre verlassen hatte. Er war ein Mann vom alten Schlag und ihre Mutter hatte es ihr Leben lang nicht leicht mit ihm gehabt. Gerade deshalb stand sie nach all den Jahren hinter ihrem Mann, denn eine Trennung wegen einer Affäre wäre ihrer Mutter nie in den Sinn gekommen. Es war eine schlimme Zeit für die junge Mercedes. Nach der Trennung hatte sie kein Geld mehr für Seminar und Studium, arbeitete darum tagsüber in einer landwirtschaftlichen Genossenschaft und schaffte es mit der heimlichen Hilfe ihrer beiden Schwestern trotzdem irgendwie, ihren höheren Abschluss zu machen. Nun war sie Lehrerin - das war alles, was für sie zählte.

Zu jener Zeit, als sie im Umkreis von La Sardina bereits eine Stelle als Lehrerin suchte, lernte sie in der Firma einen Chauffeur kennen, der aus Sanchez kam und mehrmals pro Woche Waren von Samana anlieferte und andere dorthin mitnahm. Kurz darauf bekam sie eine Stelle in einem Nachbardorf. Mercedes und der Chauffeur waren sich in der Zwischenzeit näher gekommen und nach einem Jahr nahm er sie zum ersten mal mit nach Samana. Dort gefiel es ihr schon beim ersten mal sehr gut und nach einem weiteren Jahr beschlossen die Beiden, das Mercedes eine neue Stelle als Lehrerin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Sanchez annehmen würde. Ihr Freund hatte dort eine kleine Finca, auf der sie endlich gemeinsam leben könnten. Später wollten sie dann heiraten. So zog Mercedes mit Söhnchen Hector und der kleinen Janeli nach Hoyo de Cacao, einem kleinen Dorf oberhalb von Las Terrenas auf der Halbinsel Samana.

Es stellte sich jedoch nach all der Zeit heraus, das ihr Freund ein Taugenichts war, der nebenher noch weitere Freundinnen hatte und öfters mal allzu gerne dem Rum zusprach. Nach 8 Monaten Zusammenleben auf der Finca, die man nicht als glücklich bezeichnen konnte, kam es zum endgültigen Aus zwischen den Beiden und Mercedes stand wieder einmal vor dem Nichts. Mit dem kleinen Gehalt als Lehrerin konnte sie sich gerade über Wasser halten und zurück zu ihrer Familie nach La Sardina wollte sie nicht. Die Eltern, aber vor allem ihr Vater, waren von Anfang an gegen diese neue Beziehung gewesen. Wieder waren es die beiden Schwestern, die ihr immer wieder etwas zusteckten. Als Lehrerin hatte sie sich in der kurzen Zeit einen guten Namen bei den Menschen im Dorf gemacht und so kam es, das man ihr ein kleines Stückchen Land mit einem bescheidenen Häuschen darauf günstig zum Kauf anbot. Da sie sich im Dorf eigentlich wohlfühlte, weil sie nette und hilfsbereite Nachbarn kennen gelernt hatte und ihr mittlerweile ihre Schülerschar derart ans Herz gewachsen war, nahm sie das Angebot ihrer Gönner gerne an und kaufte das Häuschen mit dem Zustupf der Schwestern. Die meisten Nachbarn halfen ihr danach und so kam sie zu einem zwar bescheidenen, aber eigenen Hausstand.

In jener Zeit begann sie auch, sich in der kleinen Kirchengemeinde stark zu engagieren. Für ihren Lebensunterhalt baute Mercedes etwas Gemüse und Früchte hinter ihrem Häuschen an. Manche Väter ihrer Schüler halfen ihr, das Haus und den Grund weiter in Ordnung zu bringen und ihre beiden Kinder fühlten sich in der ländlichen Umgebung sehr wohl. Trotz einiger Anträge von verschiedenen Männern aus der Umgebung mochte Mercedes aber keine weitere Beziehung mehr eingehen. Sie fand, das sie so besser fuhr und war auch nicht unglücklich deswegen. Mit der Zeit merkte die Männerwelt, das die fromme Lehrerin nicht zu erobern war, aber sich um so mehr in der Gemeinde nützlich machte. Dies brachte ihr vor allem den Respekt der Frauen und Mütter ein.

Ihre Freundschaften mit den Nachbarn und einigen Frauen aus dem Dorf, die zunehmende Gemeindearbeit und ihre Arbeit an der Schule bescherten ihr ein zufriedenes, aber doch armes Leben. Ihre beiden Schwestern besuchten sie ab und an und einmal im Jahr, meistens an Ostern, besuchte sie mit ihren beiden Kindern die Großeltern in La Sardina. So zogen die Jahre ins Land.

Janeli und Hector gingen natürlich beide bei ihrer Mutter zur Schule. Hector half von klein an einigen Bauern im Dorf bei der Ernte und begann sich für technische Dinge zu interessieren. Am liebsten schraubte er an Motoren und Maschinen herum. Er wurde ein sehr sportlicher Bursche und spielte für sein Leben gerne Baseball mit seinen Schulfreunden oder ging fischen oder zum Hahnenkampf. Janeli hatte ebenfalls viele Freundinnen und half ihrer Mutter neben der Schule im Haus und im Garten. Mercedes war zwar eine beliebte Lehrerin aber mit dem Kochen hatte sie es nie so besonders. Janeli hingegen kochte gerne und lernte bei den Müttern der Freundinnen, wie man aus Früchten feine Kuchen und Erfrischungen herstellte. In den Ferien war sie öfters bei ihren Tanten zu Besuch. Nur der wachsende Wunsch ihrer Mutter, auf das Collegio zu gehen um später studieren zu können, war nicht so Janelis Ding. Sie hatte ganz und gar nicht den frühen Ehrgeiz ihrer Mutter geerbt und träumte als Teenager von einem ganz anderen Leben. Die Telenovelas, die sie sich regelmäßig mit ihren Freundinnen ansah, waren doch so verlockend! Ein Leben ohne die ständigen finanzielle Probleme, einen schicken Freund, schöne Kleider, wer wollte das nicht, außer ihrer Mutter! Janeli wurde es auf dem Campo zu eng.

Mercedes hielt ihrer Tochter regelmäßig Vorträge und meinte, das es auch noch andere Dinge im Leben gab, die wichtiger waren, als Geld und Luxus aber irgendwie ging ihr das nicht in den hübschen Kopf des jungen Mädchens. Mercedes entging nicht, das sich ihre Tochter zu einer echten Schönheit entwickelte und dies bereitete ihr noch mehr Sorgen. Sicherlich war sie unheimlich stolz auf ihre Tochter, aber sie wusste auch um die Gefahren, welche ein so hübsches, junges Ding ausgesetzt war. Oftmals sollte sie schlecht schlafen vor lauter Sorgen und Befürchtungen.

Mercedes war darum recht streng mit ihr und wollte immer alles ganz genau wissen. Als ihre Freundinnen mit 14 schon mal an den Wochenenden die örtliche Terrazza besuchten, um dort mit Freunden Merengue und Bachata zu tanzen, ließ Mercedes ihre Janeli nicht aus dem Haus. Sie musste hingegen dreimal in der Woche gemeinsam mit ihrem Bruder und der Mutter die heilige Messe ihrer Gemeinde besuchen. Mutter war im Lauf der Jahre immer religiöser geworden und es gab hinter der Hand das Gerede im Dorf, Mutter brauche deswegen keinen Mann, weil sie eh ein Verhältnis mit dem lieben Gott habe. Ihre Mutter ignorierte das für sie alberne Geschwätz und amüsierte sich sogar heimlich darüber. Janeli aber fand das gemein und in die Kirche ging sie eigentlich nur ihrer Mutter zuliebe. Trotzdem war sie ein liebes Mädchen und war nicht aufsässig. Oftmals murrte sie zwar etwas und manchmal war sie auch traurig, weil sie nur so wenig durfte, aber sie hatte immer großen Respekt vor ihrer Mutter und liebte sie innig.

Mit 17 Jahren begann Janeli in einem Geschäft in Las Terrenas an der Kasse zu arbeiten. Die Arbeit hatte ihre Mutter ihr besorgt, denn der Inhaber des Ladens war Mitglied in Mercedes Gemeinde. Sie lernte dort in 2 Jahren alles, was man wissen musste um eine gute Kassiererin zu sein. Ihr Chef achtete in dieser Zeit immer darauf, das sie pünktlich kam und ging und er bläute seinen anderen und vor allem den jungen Mitarbeitern ein, das Janeli ein anständiges Mädchen sei und das ihr ja keiner zu nahe kommen solle. Da er ein respektabler Mann war hielt man sich im Grossen und Ganzen an seine Weisungen. Mittags durfte Janeli gemeinsam mit der Familie essen und freundete sich mit der Tochter ihres Chefs an, welche ein Jahr jünger als sie selber war.

Eines Tages fragten die beiden Mädchen ihre Eltern, ob sie gemeinsam mit zwei anderen Freundinnen übers Wochenende nach Puerto Plata dürften - dort war jedes Jahr das große Merengue Festival. Zuerst war Mercedes von der Idee nicht sonderlich begeistert, aber nachdem sie mit den Eltern von Janelis Freundinnen gesprochen hatte, war sie einigermaßen beruhigt. Janeli war mittlerweile fast 18 Jahre alt und hatte ihr nie ernsthafte Dummheiten gemacht. Es gab ein Extra Guagua, welches die Leute aus Las Terrenas am Freitagabend dorthin brachte und am Sonntag Nachmittag wieder zurückfahren würde. Uebernachten würden die vier bei einer Tante eines der Mädchen, welche sich bereit erklärt hatte, sie in ihrem Haus unter zu bringen. Nachdem alles genau besprochen war, blieb zwar ein mulmiges Gefühl aber immerhin war Janeli mittlerweile eine junge Frau und im Gegensatz zu so vielen anderen Mädchen war sie stets vernünftig gewesen.

Mercedes hatte ihr früh erklärt, welches Risiko manches junge Ding einging und es gab genügend schlechte Beispiele in ihrem kleinen Dorf, die zeigten, wozu es führen konnte, wenn man sich auf die Angebote mancher Jungs und Männer einließ. Einige ihrer ehemaligen Schulkolleginnen hatten mittlerweile bereits das zweite Kind und mussten sich alleine durchschlagen. Viele lebten von der Hand in den Mund. Oftmals wurden diese Mädchen von ihrer Familie verstoßen und hausten nach dem Rausschmiss in Las Terrenas oder sonst irgendwo und lebten von der Prostitution und Drogen. Ein Ort wie Las Terrenas mit all seinen Touristen und den vielen zugezogenen Menschen, die sich hier eine größere Chance ausmalten, schnell zu Geld zu kommen, war für viele verlockend. Schon lange war das nicht mehr das beschauliche Fischerdorf von einst, sondern ein schnellwachsendes Dorf, in dem vor allem Ausländer sehr schnell sehr viel Geld verdienten. Einerseits tiefste Provinz und weitab vom modernen, pulsierenden Leben der großen Städte war der Ort andererseits zu einer Oase für allerlei halbseidenen Geschäften und Typen verkommen. Korruption und Vetternwirtschaft waren gang und gebe und mancher Bauer hatte sein letztes Tarea Land bereits an die ausländischen Investoren verscherbelt. Selbst im beschaulichen Hoyo de Cacao war dies zu spüren. Wenn zum Beispiel dem alten Pepe, der die Finca weiter oben am Berg hatte, wieder mal die Wasserpumpe den Geist aufgab, dann sagte er immer seiner Tochter Rosita, das es an der Zeit wäre, ihren Discofummel anzuziehen, um damit runter ins Dorf zu fahren und sich bei einem Freier die 500 Pesos zu holen, welche die Reparatur jedes Mal kostete. Soweit war es bereits gekommen.

Auch Bruder Hector hatte sich so manche Predigt von seiner Mutter anhören müssen, speziell als er damals mit 14 Jahren mit seinen Freunden heimlich anfing, mit den Mopeds, Hondas und Pasolas auf die umliegenden Feste zu fahren. Als er das erste mal mit einer Brugal Flasche nachhause kam, dabei angetrunken war und große Reden führte, hatte sie ihn kurzerhand aus dem Haus geworfen und gemeint, das er sich etwas Anderes zum Wohnen suchen solle - bei ihr nicht mehr, denn Alkoholiker hätten in ihren vier Wänden nichts zu suchen. Drei Tage lang durfte er nicht in das Haus und nicht mal was zu essen hatte er bekommen. Er solle sich zum Teufel scheren, schrie sie hinter der verschlossenen Türe und nach drei Nächten auf irgendwelchen Matratzen voller Flöhe und anderem Ungeziefer hatte er begriffen, wie hart das Leben sein konnte. Erst nach dem er sicher 100 X beteuert hatte, das dies nicht mehr vorkommen würde, hatte sie die Türe einen Spalt weit geöffnet und ihn von oben bis unten genau gemustert. Er war schmutzig und hatte Ringe unter den Augen und als sie dann in seine Augen schaute und sah, das er es wirklich so meinte, öffnete sie die Türe vollends und nahm ihn in die Arme. Sie kochte ihm sein Lieblingsessen und machte einen Kessel voll heißes Wasser parat. In dem Zuber hinter dem Haus schrubbte sie ihm danach den Rücken und wusch ihm die Haare so oft und gründlich das ihm seine Kopfhaut brannte. Er war glücklich und wusste, das er die beste Mutter der Welt hatte. Damals versprach er Mercedes, das er auf das Collegio gehen würde um später in Santiago zu studieren. Das tat er dann auch, ohne seine Freunde zu vergessen und wenn immer etwas zu reparieren war, war er derjenige, der unter einem Auto lag oder an einem Motorrad schraubte. Es war klar, das er Ingenieur werden wollte.

Auf dem Festival kam es zu einem Zwischenfall, den Janeli nie vergessen würde, obwohl er ihr nicht selber passiert war. Sie besuchten das Festivalgelände, auf dem sich Tausende von Menschen aus vielen Ländern vor der Bühne und an den Buden und Ständen drängten. Die Stimmung war ausgelassen wie an einer Patronale und die Mädchen waren fast immer zusammen. Tausende von Fans sangen die Lieder mit und man tanzte, lachte und es wurden Unmengen von Rum und Bier konsumiert. Der Freitagabend war wunderbar und nachts um halb vier erst wurden die ersten müde. Sie hatten untereinander abgemacht, das sie gemeinsam nachhause gehen würden und das taten sie dann auch. Am nächsten Tag wurden sie erst gegen Mittag wach und nach einem Frühstück, bei dem der Tante alles haargenau erzählt wurde, machte sich das Quartett wieder munter auf dem Weg zum Festival. Wieder war die Stimmung schon am Nachmittag gigantisch und noch mehr Leute waren zu sehen. Artisten boten private, kleine Einlagen und viele Nachwuchsmusiker buhlten um die Aufmerksamkeit der Besucher und gaben kleine, private Konzerte am Festivalrand.

Vier Jungs spielten da zum Beispiel auf traditionellen Instrumenten und Janeli und ihre Freundinnen blieben eine Weile hängen. Die Band konsumierte jede Menge Rum und Bier und die Stimmung wurde immer ausgelassener. Eine von Janelis Freundinnen hatte sich ebenfalls zu mehreren Tragos überreden lassen denn einer der Jungs hatte anscheinend ein Auge auf sie geworfen. So verging der bereits späte Nachmittag und als die Nacht hereinbrach, kam man überein, das die jungen Musiker die Mädchen zum Pizzaessen einladen wollten. Dies war auch ganz spaßig und danach begann das Konzert eines echten Stars und alle wollten ganz vorne mit dabei sein. Die Menge tobte und als es später romantisch wurde, drängten sich die vier Nachwuchsmusiker an die Freundinnen. Janeli hatte plötzlich alle Hände voll zu tun, die Hände ihres Tanzpartners im Zaum zu halten. Es ging ihr auf einmal alles etwas zu schnell, genau wie ihren beiden Freundinnen, welche anscheinend die gleichen Probleme zu meistern hatten. Nur die Nummer vier im Bunde, welche am Nachmittag bereits mit der Flirterei begonnen hatte, ließ ihrem Verehrer jede Menge Freiheiten und ehe sie sich versahen, waren das Mädchen und ihr Heißsporn plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Sie suchten gemeinsam und machten sich allmählich Sorgen. Die anderen Jungs waren eingeschnappt, weil es doch nicht so gelaufen war, wie sie es sich wohl vorgestellt hatten und hatten sie nach ein paar hässlichen Reden einfach stehen gelassen um sich nach anderen Objekten der Begierde umzuschauen. Nach einer dreiviertel Stunde hörten sie hinter einer Hecke ein Wimmern und da war sie. Besser gesagt, da lag sie am Boden, verdreckt und völlig verheult und ihre Kleider waren zum Teil verrissen. Der Bursche hatte sie vergewaltigt, nachdem es ihr dann doch zu stürmisch wurde und sie begonnen hatte, sich zu wehren. In der dunklen Ecke des Geländes waren sie zwar fast alleine , aber trotzdem waren da noch andere Pärchen gewesen. Jedoch keine/r hatte ihr geholfen als sie laut geschrieen hatte, im Gegenteil - eine männliche Stimme tönte aus der Dunkelheit , sie solle sich doch nicht so anstellen, wenn man ihr es schon mal richtig besorgen würde und was für eine blöde Puta sie doch sei.

Die Mädchen waren entsetzt! Auf dem Festivalgelände gab es ein Erste - Hilfe Zelt vom örtlichen Cruz Roja und dorthin wurde sie nun gebracht. Der diensthabende Arzt dort überstellte sie in das Hospital, wo sie gründlich untersucht wurde. Die Polizei wurde eingeschaltet. Die untersuchende Ärztin, ein Amerikanerin, konnte verhindern, das das Mädchen, welches vergewaltigt wurde, nicht auf der Polizeiwache übernachten musste. Sie fuhr die Vier in ihrem Privatwagen zum Haus der Tante und man beschloss, keinen Ton davon zu erzählen. Die Ärztin hatte den Mädchen ihre Telefonnummer überlassen. Sie wollte mit den Freundinnen und mit der Polizei in Kontakt bleiben. Trotz allem fand man nie eine Spur von der Band und somit auch nicht von dem Vergewaltiger.

Für Janeli und ihre Freundinnen war das Festival gelaufen und am nächsten Tag saßen sie mit hängenden Köpfen im Guagua und fuhren zurück nach Las Terrenas.
Ob es einfach Glück war, das sie nicht schwanger wurde, weis man heute noch nicht. Auf jeden Fall hatte dieses Ereignis den Freundinnen klargemacht, wie nahe doch Spaß und Katastrophe beieinander lagen. Für lange Zeit hatten sie genug von Jungs und Festivitäten - bis zur Patronale.

Las Terrenas, im Dezember 2003

Die neue Story von Bernd wird in unregelmässigen Abständen fortgesetz und falls sie euch bis jetzt gefallen hat und ihr Erwin & Janelis Abenteuer weiterverfolgen wollt, könnt ihr im Forum nachlesen, wenn es was neues zu lesen gibt.

Im übrigen ist die Geschichte natürlich frei erfunden.