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Wie man sicher gemerkt hat, war dies ein
Rückblick. Genauer gesagt, war diese Patronale zwei Jahre vor dem
Zeitpunkt, an dem unser guter Erwin die Bühne betreten sollte. Und
Pablo war Janelis erster Novio, sprich ihr erster Freund. Die Quadtour
nach der Nacht auf der Patronale war der Anfang einer Beziehung und sie
kamen sich dabei näher.
Der junge Student aus gutem Hause war für normale Dominikaner vom
Campo (Land) eine verlockend gute Partie und so ergaben sich auch keine
grossen Einwände ihrerseits. Lediglich ihre Mutter äußerte
besorgt ihre Bedenken und meinte, sie habe wohl zu viele Telenovelas gesehen.
Pablo machte Janeli gehörig den Hof, brachte Geschenke in Form schöner
und teurer Kleider und Parfüms, der neusten Modejournale aus der
Hauptstadt und er lud sie auch in die Hauptstadt zu sich nach Hause ein.
Janeli gab ihm dafür das, was sie hatte - ihre Unschuld und eigentlich
war ihr Pablo genau der Märchenprinz aus den Novelas, die sie so
gerne im Fernseher sah. Dominikanische Soap - Operas, wo Himmel und Hölle
immer ganz nah beieinander liegen. Die Warnungen und Bedenken ihrer Mutter
verdrängte sie dabei und erhielt stattdessen einen Einblick in das
Leben der Reichen und Schönen, was natürlich Spuren hinterlässt.
Ihre Freundinnen waren etwas eifersüchtig auf ihr neues Glück
und sie arbeitete trotzdem weiter im Geschäft, als wenn nichts geschehen
wäre. Aber auch dort fiel den anderen mit der Zeit auf, wie Janeli
sich veränderte. Sei es ihre Art, sich zu kleiden und auch ihre Art
zu sprechen. Der Einfluss von Pablo war bald nicht mehr zu übersehen
und so wurde sehr schnell aus dem schönen Teenager eine attraktive
und begehrenswerte junge Frau.
All das endete in einem Knall - der sehr prägend für unsere
junge Heldin sein würde. Der Papa von Pablo nahm sie eines Tages
bei einem ihrer Besuche in Santo Domingo zur Seite und wollte mit Janeli
ernsthaft reden. Er begann sehr freundlich und rückte irgendwann
später damit heraus, dass er ein Problem habe. Er meinte, das sein
Pablo ein sehr hoffnungsvoller junger Mann mit vielen zukunftsorientierten
Möglichkeiten sei und das er schon lange beschlossen habe, ihn für
3 -4 Jahre in die Vereinigten Staaten auf ein sehr gutes College zu senden.
Dort solle er den letzten Schliff erhalten um dann in sein Unternehmen
einzutreten. Das müsse sie doch verstehen, denn Pablo machte derzeit
Anstalten, die gegen diese Pläne sprächen. Er rede viel von
echter Liebe und dem einfachen Leben auf dem Campo und meinte sogar, sich
vorstellen zu können, später Agrarwissenschaften zu studieren.
Er hat plötzlich soziale Anwandlungen, die er bislang nie gezeigt
hatte. Der Vater war darum sehr besorgt und deshalb versuchte er Janeli
nun davon zu überzeugen, Pablo doch bitte nahe zu legen, schon bald
in sie Staaten zu gehen.
Er wolle sich auch durchaus erkenntlich zeigen, wenn sie das begreifen
würde und ihn dabei unterstützt. Janeli war natürlich etwas
überfordert durch dieses Gespräch und sah ihrerseits ihre Chancen
schwinden, mit Pablo die erste Wahl zu bekommen. Was würde der in
der langen Zeit im Ausland auf dem College so alles treiben und hinzukam,
dass er ein sehr wohlhabender Jüngling war und zudem auch noch gut
aussah und Manners hatte. Janeli rang mit sich und der Vater bemerkte
das sogleich. Er konnte sich vorstellen, was in dem Mädchen vorging
und fasste einen spontanen Entschluss. Er griff an seine Gesäßtasche
und zauberte aus dem nichts ein Bündel Geldnoten hervor. Dieses legte
er behutsam vor ihr auf den Tisch. Er schaute ihr dabei direkt in die
Augen und sein Blick war sehr entschlossen und ernst. Janeli schossen
die Tränen in die Augen. So war das also! Soviel war sie diesem Mann
wert! Sie wusste nicht, wie viel Geld das war aber es war einerseits so
viel, wie sie nur aus der Kasse ihres Chefs kannte. Sie war sichtlich
erschüttert und der Mann sagte sehr ruhig in diesem Moment, das sie
sich wirklich sehr genau überlegen solle, was sie nun antworten oder
tun würde. Seine Stimme klang sehr bestimmt. Janeli schluckte, blickte
ihm in die Augen, griff dann nach dem Bündel, stand auf und verschwand
aus dem Raum.
Sie packte eilig ihre wenigen Sachen, die sie dabei hatte und verließ
das Haus, ohne sich dabei umzusehen. Sie eilte hastig zur Bushaltestelle
und stieg an der Ueberland - GuaGua Station in den nächsten Bus Richtung
Sanchez. Mit einem offenen GuaGua fuhr sie mit anderen über die Loma,
klopfte in ihrem Pueblo auf das Dach und der Fahrer hielt. Dort ging sie
direkt zum Häuschen ihrer Mutter und schloss sich für den Rest
des Tages und der hereinbrechenden Nacht ohne ein Wort zu sagen in ihrem
Zimmer ein.
Mercedes hatte Janelis Rückkehr natürlich bemerkt und gleich
erkannt, das etwas im Argen lag. Sie hatte im Lauf der Jahre gelernt,
dass es jetzt nichts bringen würde, wenn sie gleich zu ihrer Tochter
gehen würde, um zu fragen, was denn los sei. Und so ging sie leise
ihrer Hausarbeit nach und schaute ab und an auf die einzige und jetzt
verschlossene Türe, die es im Haus gab. Janeli hatte ein eigenes
Zimmer, was sehr selten war in diesen Verhältnissen. Aber ihre Mutter
fand das für ihre Tochter sehr wichtig und so hatte sie einen guten
Teil des Hauses ihrer Tochter gegeben und sich selber damit eingeschränkt.
Sie war eh meistens draußen im Garten oder saß im Schatten
auf ihrer Terrasse und ging dort still einer Handarbeit nach oder las
in einem Buch. Sie lass sehr gerne und zwar jedes Buch, das sie irgendwie
auftreiben konnte oder welches man ihr ab und an auslieh. Sie selber besaß
nur drei Bücher - eines davon war ihr altes Tagebuch und die beiden
anderen waren eine Bibel und ihr kleines Gesangbuch.
Mercedes war in all den Jahren eine reife Frau geworden und eine herbe
Schönheit dazu. Sie war nach wie vor sehr schlank, hatte wettergegerbte
Haut von der geliebten Gartenarbeit. Sie war immer noch sehr attraktiv
aber durch ihre Arbeit hatte sie auch einen harten Zug im Gesicht bekommen,
der ihr den nötigen Respekt verschaffte, wenn sie sich in der Öffentlichkeit
bewegte. Sie half nach wie vor in der örtlichen Kirchen - Gemeinde
und war in diversen Vereinen sehr aktiv. Dabei war sie aber nicht politisch
aktiv, sondern engagierte sich sozial. Trotz allem erhielt sie meistens
zu Wahlzeiten regen Besuch von Persönlichkeiten aus dem politischen
und öffentlichen Leben, die sie um ihre Meinung baten oder ihr jeweiliges
Wahlprogramm erklärten. Da Mercedes eine sehr freundliche, jedoch
aufmerksame Zuhörerin war, kannte sie stets die Kontrahenten der
verschiedenen Parteien und im Stillen hatte sie sehr wohl eine Meinung,
die sie aber in der Regel für sich behielt. In der Regel heißt,
dass es nur einen sehr kleinen Freundeskreis gab, in dem sie sich offen
zu derartigen Themen äußerte. Da sie aber eine hoch geschätzte
Persönlichkeit war, legte man dort sehr grossen Wert auf die Aussagen
dieser klugen Frau und Lehrerin. Dessen war sie sich durchaus bewusst
und legte dabei grossen Wert auf die Meinung, dass sie stets unparteiisch
war. So etwas sprach sich bis in die höchsten politischen Kreise
herum und darum auch immer der verhältnismäßig große
Aufmarsch und die Wertschätzung der anderen Amts & Würdenträger.
Nicht unschuldig an all dem war der Pastor der Gemeinde, der sehr schnell
erkannt hatte, welche wertvolle Kraft er da unter sich hatte. Und so war
Mercedes auch eine Frau, die etwas bewegen und erreichen konnte und das
wiederum wusste man im Dorf und speziell die Frauen waren sich darüber
klar. Und darum liebte sie ihren kleinen Sitzplatz auf der Terrasse, welches
der Ort war, an dem sie stets unbehelligt blieb und wo sie in Ruhe über
die Dinge im Leben nachdenken konnte.
Das tat sie auch jetzt und sie machte sich große Sorgen um Janeli.
Es musste etwas geschehen sein in der Capitale, welches Janeli sehr nahe
ging und womöglich grossen Einfluss auf ihr weiteres Leben haben
könnte. Und es hatte etwas mit Pablo zu tun oder dessen Familie.
Ihr kam ihr alter Vater in den Sinn und darum kramte sie auch ihr altes
Tagebuch hervor. Sie lass, was sie damals nieder geschrieben hatte, als
sie mit dem jungen Lehrer verheiratet war - Janelis Vater. War bei ihr
damals nicht auch eine Welt zusammen gebrochen? War das nicht der Grund,
warum sie gerade jetzt auf dieser Terrasse saß? Sie schweifte in
Gedanken immer mehr ab und ein beklemmendes Gefühl machte sich breit.
Janeli war anders wie sie - sie hatte andere Wünsche und Ziele, wenn
es solche überhaupt gab. Sie war eine gewissenhafte Mitarbeiterin
und doch kam ihr das Gespräch mit Don Luis in den Sinn, dem Inhaber
des Geschäftes und Janelis Arbeitgeber. Er hatte antönen lassen,
dass er sich etwas Sorgen mache. Denn Janeli habe sich doch sehr verändert,
seit sie mit diesem Pablo aus der Hauptstadt zusammen war. Es sei ihm
aufgefallen, dass sie zwar sehr gut gekleidet aber manchmal fast etwas
over - styled zur Arbeit erschien. Und beim gemeinsamen Mittagessen habe
er manchmal gestaunt, was Janeli so von sich gab. Ob ihr, Mercedes das
auch aufgefallen wäre? Sie dachte darüber nach und wusste natürlich,
dass Pablo aus einer reichen Familie stammte, die weder Geld - noch geschäftliche
Sorgen hätte. Darum fand sie seine Geschenke am Anfang zwar übertrieben
aber er ließ sich nicht davon abbringen und meinte nur, dass dies
in seinen Kreisen normal wäre und sie sich doch bitte keine Gedanken
machen solle. Irgendwo hatte sie eine Telefonnummer von Pablo und sie
überlegte nun nach, morgen mal bei ihm anzurufen. Doch dann verwarf
sie diesen Gedanken und kam zu dem Schluss, erst mal mit Janeli zu reden.
Und das nahm sie sich für den nächsten Tag vor.
Janeli lag auf dem Bett und starrte an die Wellblechdecke. Sie war traurig
und wütend. War sie denn gar niemand in den Augen von Pablos Vater.
War sie eine einfache Puta oder ein Campogirl, welches man mit einem Haufen
Geld so einfach abspeisen konnte. Sie wusste, dass sie gegen diesen Mann,
den Patron, keine Chance hatte! Bei einigen Diskussionen im Kreise der
Familie Pablos war ihr das sehr schnell klar geworden. Anfangs hatte sie
den mächtigen Mann bewundert aber mit der Zeit machte er ihr regelrecht
Angst. Er wusste immer 100 % was er wollte und er bekam es auch - gleich
was es kostete. Soviel hatte sie in den Wochen und Monaten bereits mitbekommen.
Er war so ganz anders wie ihr Chef, der den Leuten zuhörte und mit
ihnen auch über alltägliche Probleme redete. Pablos Vater war
da anders. Er saß in seinem Büro mit Blick auf den Malecon
von Santo Domingo und hatte 2 Sekretärinnen. Wer zu ihm wollte musste
entweder einer seiner guten Freunde sein oder er musste einen Termin mit
dem Sekretariat abmachen. Einfach so empfing er prinzipiell niemanden
und immer hatte er seinen Chauffeur bei sich wenn er das Büro verließ.
Der lebte auch in der Villa und war stets bereit und wurde auch mitten
in der Nacht geweckt, wenn der Patron irgendwo hinwollte oder musste.
Pablo hatte ihr anvertraut, dass der Chauffeur früher in der Präsidentengarde
ein hoher Offizier war und dort sehr angesehen war. Er war außerdem
gefährlich, wie Pablo meinte und jeder in Santo Domingo, der was
zu melden hatte, kannte ihn und Pablos Vater. Er war einer der Grossen.
Und genau der hatte sie nun mit einem Bündel Noten abserviert. Ob
Pablo sich melden würde? Oder ob ihn sein Vater ebenso vor vollendete
Tatsachen gestellt hatte? Sie wusste es nicht und wusste auch nicht, wie
es weiterging. Sie hatte nicht einmal das Geld gezählt, denn wo hätte
sie das tun sollen? Wenn einer auch nur einen Teil der Noten gesehen hätte,
wäre sie sicherlich bereits in Santo Domingo ausgeraubt worden. Jetzt
blickte sie auf ihre Sporttasche und jetzt wollte sie wissen, wie viel
sie Pablos Vater wert war. Die öffnete den Riemen und kramte am Boden
der Tasche. Da war das Bündel und langsam zog sie es heraus. Es fühlte
sich schon ganz anders an wie die Bündel Banknoten aus der Kasse
ihres Chefs. Es waren lauter neue Scheine und sie waren alle blau. Aus
Erfahrung wusste sie, dass so ein Bündel rund 50 Noten sein mussten.
Doch mitten drin waren ein paar andere Geldscheine. Sie öffnete das
Bündel behutsam und zum Vorschein kamen fünf Zweihundert Dollarscheine.
Tausend US$ und der Rest waren tatsächlich fünfzig Noten a Zweitausend
Peso. Sie konnte es nicht fassen
sie war mit einem Schlag für
hiesigen Verhältnisse reich!
Janeli hatte eine Freundin, die auf der Bank arbeitete. Am frühen
Morgen verließ sie das Haus und fuhr mit einem Motoconcho nach Las
Terrenas. Sie suchte ihre Freundin zuhause auf und diese schlief noch.
Doch ihre Mutter öffnete die Türe, auch noch verschlafen und
wunderte sich, was das junge Fräulein so früh schon wollte.
Sie bat sie herein und machte erst mal einen Kaffee. Nachdem ihre Freundin
langsam wach wurde schaute sie Janeli mit grossen Augen an und war verwundert,
wie es zu dieser Morgenstunde zu einem Spontanbesuch kam. Janeli setzte
sich zu ihr auf das Bett und fragte sie leise, ob man sich hier ungestört
unterhalten könne. Die Freundin war plötzlich hellwach und zog
Janeli mit einem Ruck die Decke über den Kopf. Was ist los - bist
du schwanger? Nein, Schätzchen, schwanger nicht - aber reich! Wow
Und du musst mir jetzt helfen, denn ich will das Geld auf eurer Bank deponieren.
Davon darf aber keiner was wissen, außer deinem Boss. Geht das?
Die Mädchen tuschelten noch eine Weile unter der Ecke bis die Mama
hereinplatzte und auf einem Tablett die dampfenden Kaffeetassen hatte
und ganz viel Zucker. Was macht ihr denn da, Chicas? Sie war noch nie
besonders leise gewesen und nun polterte sie gleich los. Das war auch
gut so und die Mädchen kicherten unter der Decke. Das geht dich gar
nichts an Mama
. Reine Frauensache! Die Mama räumte das Feld
und Janeli und ihre neue Partnerin besprachen den Deal. Sie würde
mit ihrem Boss reden und Janeli sollte um 09.30 Uhr in der Bank erscheinen
und dann könne man den Rest klarmachen. Und genau so lief es. Um
10.30 Uhr verließ sie die Bank und war stolze Inhaberin zweier Konten
- eines für US$ und eines für die Landeswährung. Sie wollte
was Geld arbeiten lassen und der Bankdirektor hatte ihr ein paar Tricks
erläutert. Und sie solle mit niemandem darüber reden; nicht
mal mit ihrer Mutter. Das sei wichtig, hatte der Mann gemeint. Und sie
hatte jetzt ihre eigene Bankcard, die sie gut versteckt hatte und damit
konnte sie jederzeit am Automaten Geld abheben - eigentlich ging es ihr
doch gut. Sie machte sich auf den Weg zu ihrem Arbeitgeber und wollte
ihm sagen, dass sie morgen bereits wieder da sei. Sie hatte aber noch
einen weiteren Entschluss gefasst. Eine andere Freundin hatte ihr vor
kurzem was von einem anderen Job erzählt, bei dem hübsche junge
Dominikanerinnen mit etwas Geschmack gutes Geld verdienen könnten.
Sie hatte ihr nur soviel erzählt, das das eine Französische
Agentur sei, die auf der Suche nach Mädchen für spezielle Anlässe
sei und das man da schick essen gehen könne und auf Konzerte und
Partys komme, die sich ein normaler Bürger nur schwer leisten kann.
Sie hatte lange darüber nachgedacht und diese Freundin meinte noch,
sie hätte sich seit sie mit Pablo zusammen war, so positiv entwickelt.
Sie sei auf einmal so chic und trendy und genau der Typ sei gefragt. Was
es damit wohl auf sich hatte.
Samana, 07.01.2006
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