eine fast alltägliche Geschichte

Teil 5 - Erste Liebe und deren Folgen

Wie man sicher gemerkt hat, war dies ein Rückblick. Genauer gesagt, war diese Patronale zwei Jahre vor dem Zeitpunkt, an dem unser guter Erwin die Bühne betreten sollte. Und Pablo war Janelis erster Novio, sprich ihr erster Freund. Die Quadtour nach der Nacht auf der Patronale war der Anfang einer Beziehung und sie kamen sich dabei näher.
Der junge Student aus gutem Hause war für normale Dominikaner vom Campo (Land) eine verlockend gute Partie und so ergaben sich auch keine grossen Einwände ihrerseits. Lediglich ihre Mutter äußerte besorgt ihre Bedenken und meinte, sie habe wohl zu viele Telenovelas gesehen. Pablo machte Janeli gehörig den Hof, brachte Geschenke in Form schöner und teurer Kleider und Parfüms, der neusten Modejournale aus der Hauptstadt und er lud sie auch in die Hauptstadt zu sich nach Hause ein. Janeli gab ihm dafür das, was sie hatte - ihre Unschuld und eigentlich war ihr Pablo genau der Märchenprinz aus den Novelas, die sie so gerne im Fernseher sah. Dominikanische Soap - Operas, wo Himmel und Hölle immer ganz nah beieinander liegen. Die Warnungen und Bedenken ihrer Mutter verdrängte sie dabei und erhielt stattdessen einen Einblick in das Leben der Reichen und Schönen, was natürlich Spuren hinterlässt. Ihre Freundinnen waren etwas eifersüchtig auf ihr neues Glück und sie arbeitete trotzdem weiter im Geschäft, als wenn nichts geschehen wäre. Aber auch dort fiel den anderen mit der Zeit auf, wie Janeli sich veränderte. Sei es ihre Art, sich zu kleiden und auch ihre Art zu sprechen. Der Einfluss von Pablo war bald nicht mehr zu übersehen und so wurde sehr schnell aus dem schönen Teenager eine attraktive und begehrenswerte junge Frau.
All das endete in einem Knall - der sehr prägend für unsere junge Heldin sein würde. Der Papa von Pablo nahm sie eines Tages bei einem ihrer Besuche in Santo Domingo zur Seite und wollte mit Janeli ernsthaft reden. Er begann sehr freundlich und rückte irgendwann später damit heraus, dass er ein Problem habe. Er meinte, das sein Pablo ein sehr hoffnungsvoller junger Mann mit vielen zukunftsorientierten Möglichkeiten sei und das er schon lange beschlossen habe, ihn für 3 -4 Jahre in die Vereinigten Staaten auf ein sehr gutes College zu senden. Dort solle er den letzten Schliff erhalten um dann in sein Unternehmen einzutreten. Das müsse sie doch verstehen, denn Pablo machte derzeit Anstalten, die gegen diese Pläne sprächen. Er rede viel von echter Liebe und dem einfachen Leben auf dem Campo und meinte sogar, sich vorstellen zu können, später Agrarwissenschaften zu studieren. Er hat plötzlich soziale Anwandlungen, die er bislang nie gezeigt hatte. Der Vater war darum sehr besorgt und deshalb versuchte er Janeli nun davon zu überzeugen, Pablo doch bitte nahe zu legen, schon bald in sie Staaten zu gehen.
Er wolle sich auch durchaus erkenntlich zeigen, wenn sie das begreifen würde und ihn dabei unterstützt. Janeli war natürlich etwas überfordert durch dieses Gespräch und sah ihrerseits ihre Chancen schwinden, mit Pablo die erste Wahl zu bekommen. Was würde der in der langen Zeit im Ausland auf dem College so alles treiben und hinzukam, dass er ein sehr wohlhabender Jüngling war und zudem auch noch gut aussah und Manners hatte. Janeli rang mit sich und der Vater bemerkte das sogleich. Er konnte sich vorstellen, was in dem Mädchen vorging und fasste einen spontanen Entschluss. Er griff an seine Gesäßtasche und zauberte aus dem nichts ein Bündel Geldnoten hervor. Dieses legte er behutsam vor ihr auf den Tisch. Er schaute ihr dabei direkt in die Augen und sein Blick war sehr entschlossen und ernst. Janeli schossen die Tränen in die Augen. So war das also! Soviel war sie diesem Mann wert! Sie wusste nicht, wie viel Geld das war aber es war einerseits so viel, wie sie nur aus der Kasse ihres Chefs kannte. Sie war sichtlich erschüttert und der Mann sagte sehr ruhig in diesem Moment, das sie sich wirklich sehr genau überlegen solle, was sie nun antworten oder tun würde. Seine Stimme klang sehr bestimmt. Janeli schluckte, blickte ihm in die Augen, griff dann nach dem Bündel, stand auf und verschwand aus dem Raum.
Sie packte eilig ihre wenigen Sachen, die sie dabei hatte und verließ das Haus, ohne sich dabei umzusehen. Sie eilte hastig zur Bushaltestelle und stieg an der Ueberland - GuaGua Station in den nächsten Bus Richtung Sanchez. Mit einem offenen GuaGua fuhr sie mit anderen über die Loma, klopfte in ihrem Pueblo auf das Dach und der Fahrer hielt. Dort ging sie direkt zum Häuschen ihrer Mutter und schloss sich für den Rest des Tages und der hereinbrechenden Nacht ohne ein Wort zu sagen in ihrem Zimmer ein.
Mercedes hatte Janelis Rückkehr natürlich bemerkt und gleich erkannt, das etwas im Argen lag. Sie hatte im Lauf der Jahre gelernt, dass es jetzt nichts bringen würde, wenn sie gleich zu ihrer Tochter gehen würde, um zu fragen, was denn los sei. Und so ging sie leise ihrer Hausarbeit nach und schaute ab und an auf die einzige und jetzt verschlossene Türe, die es im Haus gab. Janeli hatte ein eigenes Zimmer, was sehr selten war in diesen Verhältnissen. Aber ihre Mutter fand das für ihre Tochter sehr wichtig und so hatte sie einen guten Teil des Hauses ihrer Tochter gegeben und sich selber damit eingeschränkt. Sie war eh meistens draußen im Garten oder saß im Schatten auf ihrer Terrasse und ging dort still einer Handarbeit nach oder las in einem Buch. Sie lass sehr gerne und zwar jedes Buch, das sie irgendwie auftreiben konnte oder welches man ihr ab und an auslieh. Sie selber besaß nur drei Bücher - eines davon war ihr altes Tagebuch und die beiden anderen waren eine Bibel und ihr kleines Gesangbuch.
Mercedes war in all den Jahren eine reife Frau geworden und eine herbe Schönheit dazu. Sie war nach wie vor sehr schlank, hatte wettergegerbte Haut von der geliebten Gartenarbeit. Sie war immer noch sehr attraktiv aber durch ihre Arbeit hatte sie auch einen harten Zug im Gesicht bekommen, der ihr den nötigen Respekt verschaffte, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegte. Sie half nach wie vor in der örtlichen Kirchen - Gemeinde und war in diversen Vereinen sehr aktiv. Dabei war sie aber nicht politisch aktiv, sondern engagierte sich sozial. Trotz allem erhielt sie meistens zu Wahlzeiten regen Besuch von Persönlichkeiten aus dem politischen und öffentlichen Leben, die sie um ihre Meinung baten oder ihr jeweiliges Wahlprogramm erklärten. Da Mercedes eine sehr freundliche, jedoch aufmerksame Zuhörerin war, kannte sie stets die Kontrahenten der verschiedenen Parteien und im Stillen hatte sie sehr wohl eine Meinung, die sie aber in der Regel für sich behielt. In der Regel heißt, dass es nur einen sehr kleinen Freundeskreis gab, in dem sie sich offen zu derartigen Themen äußerte. Da sie aber eine hoch geschätzte Persönlichkeit war, legte man dort sehr grossen Wert auf die Aussagen dieser klugen Frau und Lehrerin. Dessen war sie sich durchaus bewusst und legte dabei grossen Wert auf die Meinung, dass sie stets unparteiisch war. So etwas sprach sich bis in die höchsten politischen Kreise herum und darum auch immer der verhältnismäßig große Aufmarsch und die Wertschätzung der anderen Amts & Würdenträger. Nicht unschuldig an all dem war der Pastor der Gemeinde, der sehr schnell erkannt hatte, welche wertvolle Kraft er da unter sich hatte. Und so war Mercedes auch eine Frau, die etwas bewegen und erreichen konnte und das wiederum wusste man im Dorf und speziell die Frauen waren sich darüber klar. Und darum liebte sie ihren kleinen Sitzplatz auf der Terrasse, welches der Ort war, an dem sie stets unbehelligt blieb und wo sie in Ruhe über die Dinge im Leben nachdenken konnte.
Das tat sie auch jetzt und sie machte sich große Sorgen um Janeli. Es musste etwas geschehen sein in der Capitale, welches Janeli sehr nahe ging und womöglich grossen Einfluss auf ihr weiteres Leben haben könnte. Und es hatte etwas mit Pablo zu tun oder dessen Familie. Ihr kam ihr alter Vater in den Sinn und darum kramte sie auch ihr altes Tagebuch hervor. Sie lass, was sie damals nieder geschrieben hatte, als sie mit dem jungen Lehrer verheiratet war - Janelis Vater. War bei ihr damals nicht auch eine Welt zusammen gebrochen? War das nicht der Grund, warum sie gerade jetzt auf dieser Terrasse saß? Sie schweifte in Gedanken immer mehr ab und ein beklemmendes Gefühl machte sich breit. Janeli war anders wie sie - sie hatte andere Wünsche und Ziele, wenn es solche überhaupt gab. Sie war eine gewissenhafte Mitarbeiterin und doch kam ihr das Gespräch mit Don Luis in den Sinn, dem Inhaber des Geschäftes und Janelis Arbeitgeber. Er hatte antönen lassen, dass er sich etwas Sorgen mache. Denn Janeli habe sich doch sehr verändert, seit sie mit diesem Pablo aus der Hauptstadt zusammen war. Es sei ihm aufgefallen, dass sie zwar sehr gut gekleidet aber manchmal fast etwas over - styled zur Arbeit erschien. Und beim gemeinsamen Mittagessen habe er manchmal gestaunt, was Janeli so von sich gab. Ob ihr, Mercedes das auch aufgefallen wäre? Sie dachte darüber nach und wusste natürlich, dass Pablo aus einer reichen Familie stammte, die weder Geld - noch geschäftliche Sorgen hätte. Darum fand sie seine Geschenke am Anfang zwar übertrieben aber er ließ sich nicht davon abbringen und meinte nur, dass dies in seinen Kreisen normal wäre und sie sich doch bitte keine Gedanken machen solle. Irgendwo hatte sie eine Telefonnummer von Pablo und sie überlegte nun nach, morgen mal bei ihm anzurufen. Doch dann verwarf sie diesen Gedanken und kam zu dem Schluss, erst mal mit Janeli zu reden. Und das nahm sie sich für den nächsten Tag vor.
Janeli lag auf dem Bett und starrte an die Wellblechdecke. Sie war traurig und wütend. War sie denn gar niemand in den Augen von Pablos Vater. War sie eine einfache Puta oder ein Campogirl, welches man mit einem Haufen Geld so einfach abspeisen konnte. Sie wusste, dass sie gegen diesen Mann, den Patron, keine Chance hatte! Bei einigen Diskussionen im Kreise der Familie Pablos war ihr das sehr schnell klar geworden. Anfangs hatte sie den mächtigen Mann bewundert aber mit der Zeit machte er ihr regelrecht Angst. Er wusste immer 100 % was er wollte und er bekam es auch - gleich was es kostete. Soviel hatte sie in den Wochen und Monaten bereits mitbekommen. Er war so ganz anders wie ihr Chef, der den Leuten zuhörte und mit ihnen auch über alltägliche Probleme redete. Pablos Vater war da anders. Er saß in seinem Büro mit Blick auf den Malecon von Santo Domingo und hatte 2 Sekretärinnen. Wer zu ihm wollte musste entweder einer seiner guten Freunde sein oder er musste einen Termin mit dem Sekretariat abmachen. Einfach so empfing er prinzipiell niemanden und immer hatte er seinen Chauffeur bei sich wenn er das Büro verließ. Der lebte auch in der Villa und war stets bereit und wurde auch mitten in der Nacht geweckt, wenn der Patron irgendwo hinwollte oder musste. Pablo hatte ihr anvertraut, dass der Chauffeur früher in der Präsidentengarde ein hoher Offizier war und dort sehr angesehen war. Er war außerdem gefährlich, wie Pablo meinte und jeder in Santo Domingo, der was zu melden hatte, kannte ihn und Pablos Vater. Er war einer der Grossen. Und genau der hatte sie nun mit einem Bündel Noten abserviert. Ob Pablo sich melden würde? Oder ob ihn sein Vater ebenso vor vollendete Tatsachen gestellt hatte? Sie wusste es nicht und wusste auch nicht, wie es weiterging. Sie hatte nicht einmal das Geld gezählt, denn wo hätte sie das tun sollen? Wenn einer auch nur einen Teil der Noten gesehen hätte, wäre sie sicherlich bereits in Santo Domingo ausgeraubt worden. Jetzt blickte sie auf ihre Sporttasche und jetzt wollte sie wissen, wie viel sie Pablos Vater wert war. Die öffnete den Riemen und kramte am Boden der Tasche. Da war das Bündel und langsam zog sie es heraus. Es fühlte sich schon ganz anders an wie die Bündel Banknoten aus der Kasse ihres Chefs. Es waren lauter neue Scheine und sie waren alle blau. Aus Erfahrung wusste sie, dass so ein Bündel rund 50 Noten sein mussten. Doch mitten drin waren ein paar andere Geldscheine. Sie öffnete das Bündel behutsam und zum Vorschein kamen fünf Zweihundert Dollarscheine. Tausend US$ und der Rest waren tatsächlich fünfzig Noten a Zweitausend Peso. Sie konnte es nicht fassen… sie war mit einem Schlag für hiesigen Verhältnisse reich!
Janeli hatte eine Freundin, die auf der Bank arbeitete. Am frühen Morgen verließ sie das Haus und fuhr mit einem Motoconcho nach Las Terrenas. Sie suchte ihre Freundin zuhause auf und diese schlief noch. Doch ihre Mutter öffnete die Türe, auch noch verschlafen und wunderte sich, was das junge Fräulein so früh schon wollte. Sie bat sie herein und machte erst mal einen Kaffee. Nachdem ihre Freundin langsam wach wurde schaute sie Janeli mit grossen Augen an und war verwundert, wie es zu dieser Morgenstunde zu einem Spontanbesuch kam. Janeli setzte sich zu ihr auf das Bett und fragte sie leise, ob man sich hier ungestört unterhalten könne. Die Freundin war plötzlich hellwach und zog Janeli mit einem Ruck die Decke über den Kopf. Was ist los - bist du schwanger? Nein, Schätzchen, schwanger nicht - aber reich! Wow… Und du musst mir jetzt helfen, denn ich will das Geld auf eurer Bank deponieren. Davon darf aber keiner was wissen, außer deinem Boss. Geht das?
Die Mädchen tuschelten noch eine Weile unter der Ecke bis die Mama hereinplatzte und auf einem Tablett die dampfenden Kaffeetassen hatte und ganz viel Zucker. Was macht ihr denn da, Chicas? Sie war noch nie besonders leise gewesen und nun polterte sie gleich los. Das war auch gut so und die Mädchen kicherten unter der Decke. Das geht dich gar nichts an Mama…. Reine Frauensache! Die Mama räumte das Feld und Janeli und ihre neue Partnerin besprachen den Deal. Sie würde mit ihrem Boss reden und Janeli sollte um 09.30 Uhr in der Bank erscheinen und dann könne man den Rest klarmachen. Und genau so lief es. Um 10.30 Uhr verließ sie die Bank und war stolze Inhaberin zweier Konten - eines für US$ und eines für die Landeswährung. Sie wollte was Geld arbeiten lassen und der Bankdirektor hatte ihr ein paar Tricks erläutert. Und sie solle mit niemandem darüber reden; nicht mal mit ihrer Mutter. Das sei wichtig, hatte der Mann gemeint. Und sie hatte jetzt ihre eigene Bankcard, die sie gut versteckt hatte und damit konnte sie jederzeit am Automaten Geld abheben - eigentlich ging es ihr doch gut. Sie machte sich auf den Weg zu ihrem Arbeitgeber und wollte ihm sagen, dass sie morgen bereits wieder da sei. Sie hatte aber noch einen weiteren Entschluss gefasst. Eine andere Freundin hatte ihr vor kurzem was von einem anderen Job erzählt, bei dem hübsche junge Dominikanerinnen mit etwas Geschmack gutes Geld verdienen könnten. Sie hatte ihr nur soviel erzählt, das das eine Französische Agentur sei, die auf der Suche nach Mädchen für spezielle Anlässe sei und das man da schick essen gehen könne und auf Konzerte und Partys komme, die sich ein normaler Bürger nur schwer leisten kann. Sie hatte lange darüber nachgedacht und diese Freundin meinte noch, sie hätte sich seit sie mit Pablo zusammen war, so positiv entwickelt. Sie sei auf einmal so chic und trendy und genau der Typ sei gefragt. Was es damit wohl auf sich hatte.

Samana, 07.01.2006

Die neue Story von Bernd wird in unregelmässigen Abständen fortgesetz und falls sie euch bis jetzt gefallen hat und ihr Erwin & Janelis Abenteuer weiterverfolgen wollt, könnt ihr im Forum nachlesen, wenn es was neues zu lesen gibt.

Im übrigen ist die Geschichte natürlich frei erfunden.