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Leben im Paradies?
Betrachtung von Bernd Appel |
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Wenn man das erste mal daran denkt, die alte Heimat zu verlassen um auf einer tropischen Insel zu leben, träumt man von der Freiheit, dem Fremden, dem Exotischen. Man hat die allgegenwärtige Enge und die Normen satt, man will einmal Herr über sein eigenes Leben sein und auch mehr bestimmen, wie und wo es langgeht. Man glaubt zu wissen, wo dieser Ort sein könnte - man träumt von Goa, der Südsee, einer Insel der Glückseligen oder konkret von Samana. Das Paradies ist jedoch nur in unseren Köpfen, die ersehnte Harmonie und der erwünschte Erfolg ist ein Teil des Traumes. Trotzdem suchen wir Träumer diesen Ort auf Erden. Realisten haben es einfacher, sie finden sich mit den Gegebenheiten ab und machen vor Ort in der Heimat das Beste daraus. Wir Träumer hingegen jagen etwas hinterher und oft verändern wir die Welt - Stück für Stück. Den Preis dafür bezahlen wir alle. Die Umwelt verändert sich und langsam werden die wirklich ursprünglichen Orte rar. Dies gilt auch für Samana. Trotzdem ist die Halbinsel ein paradiesischer Fleck in der Karibik und noch gehen die Uhren hier einen Tick langsamer, als anderswo. Die Karibische Insel ist das Paradies mit einigen Abstrichen. Man sollte meinen, das man hier in aller Ruhe leben kann, wenn man sein Auskommen hat. Viele Menschen, die hier Urlaub machen, beneiden uns "Aussteiger" und würden auch gerne ihre Zeit unter Palmen, am Traumstrand oder einfach im selbsternannten Paradies verbringen. Aber wie es nun mal so ist..... andere machen einen Kompromiss und kommen dafür dreimal im Jahr. All das spricht für Samana. Diejenigen, die der Virus ganz und gar infiziert hat, versuchen ihr Glück und lernen am Anfang, was es bedeutet, in der Fremde und in einem anderen Kulturkreis zu leben. Viele Menschen aus Europa und von anderswo haben sich hier niedergelassen und leisten ihren Beitrag zum Aufbau der Region. Viele tun dies erfolgreich, ein paar Wenige kommen nicht klar. Weitab von Regel und Norm, von den Werten, denen wir entflohen sind, entstehen wir hier neu und unsere alte Fassade zerbröckelt Stück für Stück. Wir stehen in einem anderen Licht. Die neue Freiheit entlässt unser altes Ich mit all seinen Zwängen und lässt uns für unsere Zukunft freie Wahl. Wir hätten hier tatsächlich die Möglichkeit, an uns zu arbeiten, eventuell besser zu werden, unseren Blick für das Wesentliche zu schärfen, die fremde Kultur zu assoziieren, herauszufinden wie flexibel man wirklich ist oder sein muss, um hier bestehen zu können. Das ist eine Herausforderung. Ein paar machen es sich sehr einfach und leben ihr altes Leben in neuer Verpackung. Sie besinnen sich dabei bewusst auf ihre Nationalität, die in der alten Heimat allgegenwärtig alltäglich war und werden hier zum Beispiel deutscher, schweizerischer oder französischer. Sie leben isoliert in bewachten Wohnanlagen und treffen sich fast nur mit Landsleuten und lassen dabei bewusst die hiesige Kultur außen vor. Der Einheimische ist in diesem Fall dazu da, deren Leben einfacher zu machen, als Gärtner, Haushaltshilfe, Dienstboote oder Chauffeur. Dies funktioniert, solange wie man sich lediglich in seinen Kreisen bewegt. Der Wachdienst ist allgegenwärtig - das Getto perfekt. Ob dieses Leben erstrebenswert ist, ist die andere Frage. Noch sind die Einheimischen uns gegenüber im allgemeinen freundlich und hilfsbereit. Man spürt aber bereits hier und da die Missgunst und den Neid hinter vorgehaltener Hand. Es liegt jedoch alleine an uns. Oftmals entstehen Konflikte mit Einheimischen durch Missverständnisse, fehlende Sprachkenntnisse oder durch das für sie zum Teil eigenartige Verhalten der zugereisten "Einwanderer". Solange man sich nichts zuschulden kommen lässt, sind die Menschen jedoch großzügig. Wenn man an sein Herkunftsland denkt, ist dieser Wesenszug für dortige Verhältnisse eher exotisch. Ausländerfeindlichkeit ist fast überall ein Thema, vor allem in den reichen, europäischen Ländern. Hier sind wir die Ausländer, auch wenn wir das manchmal zu vergessen scheinen. Wenn wir doch der Enge in unseren Herkunftsländern entkommen sind, sollten wir versuchen, hier keine neue Enge entstehen zu lassen. Tun wir es den Einheimischen gleich und kommen besser mit ihnen klar. Dann klappt es auch mit den Nachbarn. Mancher verliert durch die neue Freiheit seinen anerzogenen Anstand, nutzt die Menschen mehr oder weniger aus und reduziert sein Leben völlig auf sich selber. Die Menschen hier beobachten uns jedoch ganz genau und wissen dabei oft mehr über uns als wir denken. Wir stehen hier nackt im Rampenlicht und agieren oder reagieren. Wir müssen jedoch nicht meinen, das die Geduld oder Freundlichkeit grenzenlos ist. Sie kann sich auch sehr schnell ins Gegenteil wenden. Dies hat schon manche Zeitgenossen am eigenen Leib erfahren. Auch wenn die Geduld der Menschen bemerkenswert und vor allem liebenswert ist. Hier bekommt jeder, was er verdient. Schlimmer ist manchmal der Umgang mit seinesgleichen. Hier handeln Leute zum Teil völlig ungebremst, die neue Freiheit ist vermeintlich grenzenlos. Der Begriff von Recht und Ordnung steht zwar auf dem Papier aber in der Realität scheint das Recht des Stärkeren zu gelten. Die Ellenbogen bekommen hier einen anderen Stellenwert, Rücksichtslosigkeit ist an der Tagesordnung, Hochstapelei wird für manche zum Kavaliersdelikt. Misstrauen ist das Ergebnis und der erste Preis in der neuen Skala der Werte. Hier hat das vermeintliche Paradies längst seine Unschuld verloren. Die Anwälte leben gut davon. Exekutive Behörden spielen das üble Spiel zum Teil mit und werden zu Erfüllungsgehilfen - die Korruption ist leider an der Tagesordnung. Dies ist das hässliche Gesicht der Freiheit. Jeder hat hier seinen Preis. Wobei man sich unter Einheimischen darüber klar ist, das die Ordnungshüter niemandes Freund sind. Man lässt sie so gut wie möglich aus dem Spiel. Man hat zudem gar nicht die finanziellen Mittel, die bei Streitigkeiten unter Ausländern fast immer eine entscheidende Rolle spielen. Wenn ich so ein paar Anlagen sehe, in deren Mauer Glasscherben einzementiert sind, frage ich mich was in den Köpfen der Menschen zugeht, die hinter diesen Mauern leben. Ob das erstrebenswert ist, ist fraglich. Jeder baut sich sein eigenes Gefängnis. Wenn Einheimische untereinander Zwist bekommen, wird normalerweise ein Familienrat einberufen und man spricht miteinander. Die meisten Probleme finden hier schon eine Lösung. Sollte dies jedoch nicht fruchten, konsultiert man den örtlichen Fiskal (Friedensrichter) und dieser versucht durch Verhandeln eine Lösung oder einen Kompromiss zu erreichen. Wenn dies auch nichts bringt wendet man sich an den Fiskal des Bezirks. Auch dieser versucht noch mal außergerichtlich zu einer Einigung zu kommen und erst danach wird es amtlich. Wir Ausländer gehen leider nicht so behutsam miteinander um. Es wird oft mit harten Bandagen verhandelt und es ist nicht verwunderlich, das sich die ansässigen Anwälte sofort die Hände reiben, wenn zwei sich streiten. Sie verdienen dabei immer und gut. Wir können also von den Einheimischen etwas lernen und somit Konflikte entschärfen. Das Zauberwort lautet Kompromissbereitschaft. Leider beisst sich das mit dem Gefühl, das man ja mit ein paar Beziehungen und etwas Bakschisch auch zu seinem Ziel kommt. Schade... Ein anders Beispiel für den Umgang mit der Freiheit ist der Umgang mit der eigenen Gesundheit. So mancher hängt heimlich oder bekannt an der Flasche. Der Alkoholkonsum hat schon einige den Verstand gekostet; wen kümmert es? Dies ist ein Problem, welches alle betrifft. Der Rum ist allgegenwärtig und hier schenken sich Einheimische wie Fremde nichts. Alles was dies nach sich zieht ist der ganz normale Alltag. Es gibt fast keine Stelle, an die wir uns hier voller Zuversicht wenden könnten - es gibt somit keine Deckung. Wir sind für uns selber verantwortlich und es ist unser Leben. Es gibt hier die Kirchen, die ihr eigenes Spiel spielen. Es gibt Behörden und Vereine, das Rote Kreuz, es gibt noch keine Alkoholkontrollen - ein Paradies für Säufer ? Bei den Einheimischen gibt es den Familienrat, kluge Ehefrauen und eventuell Freunde, die einem in das Gewissen reden. Gut, wenn man die hat. Drogen gehören genauso zum heimlichen Alltag wie die Prostitution. Man weis das und muss damit leben können. Die Freiheit hat ihren Preis. Es gibt im vermeintlichen Paradies nur stark und schwach, oben oder unten, genug Geld oder zuwenig. Der Schwebezustand, die soziale Hängematte in der alten Welt ist hier Illusion. Ursache und Wirkung liegen hier direkt beieinander und jeder Tag ist Zahltag. Viele haben mit all dem kein Problem und leben hier glücklich und zufrieden. Dies ist gut und soll auch so sein und im Gegenzug gibt es eine gewisse Großzügigkeit, die in der alten Welt längst zu den Akten gelegt wurde. Dort machen einem militante Nichtraucher und das blaue Kreuz das Leben schwer. Der Mann vom Amt ist allgegenwärtig. Dann doch lieber hier leben, wo es noch Toleranz gibt und die fünf manchmal eine gerade Zahl ist. Interessant wird es wenn der eine Esel zum Anderen Langohr sagt! Leben und leben lassen..... Viele leben hier schon lange und gut. Viele haben sich ihren Traum erfüllt und tragen dazu bei, das hier Stück für Stück der Wohlstand einkehrt. Wir alle tragen dazu bei ob wir nun zu den wenigen Loosern gehören oder zu denjenigen, die etwas Positives bewirken und eigentlich recht zufrieden sind, denn wir alle bringen Geld in die Region und meistens bleibt das Geld irgendwie da - auch wenn derjenige geht. Wenn wir auch nicht im Reichtum schwimmen, wenn wir auf gewisse Annehmlichkeiten bewusst oder aus der Situation heraus verzichten, wir sind hier an einem wunderbaren Ort. Was sonst zählt. Den Menschen hier geht es nicht schlechter als anderswo, eher besser. All die genannten negativen Aspekte sind zwar vorhanden und trotzdem ist dies ein sehr lebenswerter Ort. Das Lachen der Menschen, die prächtige Natur, die endlosen Strände sind der karibische Traum. Ein Traum mit Abstrichen und immer mehr Menschen kommen und schwärmen nach ihrem Urlaub von Samana. Dies ist der Grund, warum ich seit über drei Jahren unentwegt und trotz allem mit viel Engagement mit meiner Webseite für die Halbinsel werbe. Ich werde es auch weiterhin tun, denn die meisten Menschen hier haben es verdient. Wenn nach dieser Zeit auch mal kritische Töne kommen, liegt dies daran, das ich die Augen nicht schließe. Wenn ich dabei dem Einen oder anderen in die Quere komme, so nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil etwas gesagt werden muss. Die einen reagieren großzügig und die anderen sind sauer. Das ist das Leben. Wenn es im Samana Forum manchmal hoch her geht, dann steigen die Zugriffe - so wie gestern. Weit über tausend Klicks an einem Tag. Siehe Samana Statistik. Wenn dabei auch noch ein Blick in die Webseite geworfen wird ist das doch positiv. Wenn unser Hofberichterstatter in einer seiner Storys ein paar Äußerungen macht, die nicht jedem Zeitgenossen auf der anderen Seite des großen Teiches passt, kann er trotzdem damit leben. Er setzt sich in seinen Jeep und fährt zur schönsten Bar der Welt. Er hat seine kleine Tochter dabei, die ihm viel Freude schenkt und trifft vor Ort einen Touristen. Dieser fragt ihn, ob er der Pedro de las Terrenas sei und er sagt, nein, ich bin der kleine Bruder! So entsteht ein Gespräch und wieder einer mehr ist von Samana infiziert. Das ist mehr wert als die Schreihälse und Hobbykritiker im Forum. Man mag ihm seine Schrulligkeiten verzeihen - viele hatten in der letzten Zeit die Möglichkeit, ihn durch das Internet kennen zu lernen und er ist ein Original, welches Las Terrenas symphatischer macht. Tausende von Menschen haben durch meine Arbeit im Internet Samana ein kleines Stück kennen gelernt und viele haben sich schriftlich oder persönlich bedankt. Für viele war und ist die Samana Seite der beste Reiseführer. Somit habe ich mein Ziel eigentlich erreicht. Die Webseite ist ein Selbstläufer geworden und das Feedback ist enorm. Wie schon zu Anfang gesagt; wir Träumer jagen etwas hinterher.....und begraben diesmal das Kriegsbeil! In diesem Sinne - Bernd Las Terrenas, den 22.11.02 |
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