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Shortstorys von Steve Fluid Lindauer
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Auf
der Suche nach Gaagaa
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sich wie ein Witz anhört - Gaagaa - , ist in Wirklichkeit eine todernste
Sache. Lea
sitzt hinter dem Lenkrad des 4WD Jeeps, den wir letzte Woche für
1600 RP beim Gebrauchtwarenhändler ergattert haben. In ihren Augen
schimmern 2 Juwelen von gespannter Vorfreude. Irgendwo da draussen wartet
Gaagaa. Wo und ob wir es finden würden, wussten wir nicht. Aber wie
schon so oft zuvor, in fremden Ländern, auf der Suche nach Geheimnissen,
nach der Musik, die hinter dem geschlossenen Vorhang spielt, ist Mangel
an Information bei weitem nicht Grund genug, von einem Geheimnis abzulassen. Gaagaa ist Voodoo. Und
San Pedro an Ostern ist der richtige Ort zur richtigen Zeit. Sobald wir
aus der Stadt raus sind, wissen alle wovon wir sprechen: "Die Gaagaa-Zeremonie?
Na klar! 20 km die Strasse runter, dann rechts rein ins Feld." Mit
der Ankunft der ersten afrikanischen Sklaven im Jahre 1520 schlug auch
das Voodoo Glaubenssystem seine Wurzeln auf Hispaniola. Heutzutage ist
Gaagaa das Produkt des Glaubens jener Westafrikaner und der Voodoo Religion
die von den haitianischen Feldarbeitern eingeführt wurde. Diese Haitianer
wohnen und arbeiten heute in beinahe identischen Konditionen auf der Dominikanischen
Republik wie die Sklaven von damals. Gegen
Sonnenuntergang treffen wir in Batey Jalonga ein und werden sofort willkommen
geheissen von einem älteren, pechschwarzen Mann, mit Namen Papucho.
Er lässt uns schnell wissen, dass er der Zeremonienmeister ist, der
Besitzer von Gaagaa. Die
Zeremonie beginnt um 19.00 Uhr. Papucho kniet vor einem ca. metertiefen
Loch, um ihn herum ein halbes Dutzend weiterer Leute. Eine Schüssel
wird herumgereicht und verschiedenste Nahrungsmittel werden in das Loch
befördert: Mais, Limonade, Rum, Mehl, Fisch. Lea und ich werden aufgefordert
mitzumachen. Papuchos rechte Hand, eine kleinere Frau mit seltsam ausweichendem
Blick, umrundet das Loch mit einer Kerze in der Hand und spritzt Wasser
in die 4 Himmelsrichtungen. Sie ist die Königin, die Mambo; Marisa.
Schliesslich rammt Papucho einen grossen eisernen Stab in das Loch, bevor
er es wieder mit Erde auffüllt. Dann wird ein Scheiterhaufen um den
Stab herum aufgerichtet und angezündet. Dies ist der erste Schritt
des Rituals: Die Beschwörung von Gede, dem Pförtner zur spirituellen
Welt, Herr der toten Ahnen und Hüter der Friedhöfe. Er sorgt
dafür, dass der Weg für die anderen Geister, die noch kommen
werden, geebnet ist. Das
flackernde Licht der Kerze, Papucho schwingt von links nach rechts, leitet
die Zeremonie um die Flamme herum, zu seiner Linken die Mambo Queen, gefolgt
von den Bläsern, die schwarzen Gesichter mit glitzerndem Schweiss
bedeckt, richten sie ihre seltsamen Trompeten auf den Boden und blasen
den Rhythmus der endlos von den Trommeln getragen wird, über das
Strohdach hinweg, auf die Felder hinaus, in die Hüften und Herzen
der Anwesenden. Papucho zieht und lockt, mit beiden Händen über
den Boden streichend ohne ihn zu berühren, den ersten Geist beschwörend
und ihm gegenüber die Bläser und Trommler allesamt auf den Fleck
am Boden konzentriert, die Musik auf die Stelle pumpend wo Papucho den
Kontakt herzustellen sucht.
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